Filigranarbeit mit WFA/WBA

Geschrieben am 04.01.2016 von Nina in Thermos und Heißluftpistole Tutorials

Kennt ihr das auch? Ihr habt jede Menge an Worbla’s Finest Art Schnippseln über, aber keine Ahnung was ihr damit machen könnt? In diesem Tutorial zeigt euch Murmeltierchen Cosplay was ihr mit einem großen Haufen an WFA-Resten anstellen könnt!

 

Ihr braucht:
Worbla’s Finest/ Black Art, gerne Reste
Heißluftfön
Zeichenmaterial
Klarsichtige Bucheinbandfolie
glatte, stabile Unterlage; vorzugsweise aus Holz
nützlich, aber zwingend nicht nötig:
Modellierwerkzeuge, Zahnarztwerkzeuge, Lötkolben-/ station, Dremel

 

Die Vorlage

 

1. Zeichnet am besten erstmal mit Bleistift alles vor, dann könnt ihr Proportionen und Linienverlauf ggf. noch anpassen. Wenn ihr mit dem Motiv zufrieden seid, dann zieht alles mit Kugelschreiber oder Fine Liner klar und sauber nach. Je sauberer die Vorlage ist, desto leichter wird es euch später fallen, alles exakt entlang der Linien zu modellieren, also investiert ruhig ein paar Minuten mehr.

 

2. Die Vorlage wird anschließend mit Bucheinbandfolie auf die Unterlage geklebt. Das kann eine Holzplatte in entsprechender Größe sein, ihr könnt sie aber auch direkt auf den Tisch kleben. Luftblasen sind hier übrigens kein Beinbruch, ein bisschen platt drücken und man problemlos drauf modellieren. Übrigens: die meisten Bucheinbandfolien sind äußerst hitzeresistent, d.h. Ihr könnt problemlos mit 300°C (niedrige Stufe) und sogar kurz mit 600°C (hohe Stufe) draufheizen, ohne dass sie euch vom Tisch schrumpelt. Keine Scheu!

 

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Tipp: Sollte die Folie doch mal total hinüber sein, lasst das bisherige Modell komplett auskühlen, nehmt es von der Folie bzw. den Überresten, klebt eine neue drüber, erhitzt das bisherige Modell von unten kurz und „klebt“ es wieder drauf.

 

Es wird gerollt!

 

3. Jetzt werden Reste zusammengeklebt. Am einfachsten ist es, wenn man das größte Reststück erhitzt und damit die ganz kleinen Fitzel „einsammelt“, indem man sich die selbstklebende Eigenschaft von WFA/ WBA zu Nutze macht. Anschließend wird alles nochmal erhitzt und grobmotorisch etwas zusammengedrückt. Muss nicht schön sein, das kommt später.

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4. Nun kommt die Stelle, an der ihr euer Lineal/ Brett/ whatever lieben werdet: jetzt werden wirklich Würstchen gerollt. Viele Würstchen. Dafür wird das grobmotorisch zusammengedrückte Würstchen komplett und gleichmäßig erhitzt und anschließend mit dem Rollwerkzeug eurer Wahl gerollt. Übt etwas Druck dabei aus, damit das Material verdichtet wird und keine Luftblasen im Inneren bleiben, die später für potenzielle Bruchstellen sorgen könnten.

 

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Randinfo: Arbeiten mit niedriger und hoher Stufe
Der wohl am weitesten verbreitetste Fehler beim Arbeiten mit WFA/ WBA bzw. Thermoplasten im Allgemeinen ist es, dass alle immer mit hoher Stufe draufheizen und sich deswegen am laufenden Band die Pfoten verbrennen, bis sie irgendwann keine Fingerabdrücke mehr haben. Tatsächlich ist das aber gar nicht nötig und bei Filigranarbeiten wie dieser hier sogar oft eher hinderlich. Warum?
Der Schmelzpunkt wird von WFA/ WBA wird selbst mit niedriger Stufe um über 200°C überschritten, weswegen die Stufe locker ausreicht, um es zu aktivieren.
Alle Wärmeenergie wird erstmal in die Aktivierung des Materials umgesetzt, erst wenn die nötige Energie überschritten wurde, heizt sich das Material spürbar auf, fühlt sich heiß an und man verbrennt sich.
Außerdem muss man bei WFA-Würstchen bedenken, dass die Hitze erst in das Innere „durchziehen“ muss, der Wärmeaustausch funktioniert nicht augenblicklich. Wer also mit 600°C draufheizt, bis das komplette Würstchen verformbar ist, hat so viel Hitze auf die Oberfläche losgelassen, dass sie vermutlich im Falle von WFA beige-weiß wird, Bläschen wirft und so weich ist, dass sie keinerlei Form behält sondern direkt zerdrückt wird.
Damit sind viele Formen die im Folgenden gezeigt werden gar nicht mehr möglich, da das Material die gewünschte Form nicht behält. Man muss es dann auskühlen lassen und verliert sogar noch Zeit.
Wenn man große Flächen von der Platte erhitzen möchte oder gezielt eine sehr weiche Oberfläche aber Formstabilität im Inneren braucht, dann ist die hohe Stufe natürlich sehr nützlich.

 

5. Ist euer WFA-Würstchen zu dick, habt ihr zu viele Schnipsel genommen. Aber das ist kein Problem: Einfach das Würstchen nochmal erhitzen, platt drücken und in der Mitte durchschneiden. Schon hat man zwei deutlich schmalere Würstchen. Ist das WFA-Würstchen nur etwas zu dick geraten, erhitzt und zieht es in zwirbelnden Bewegungen etwas auseinander. Anschließend rollt es mit etwas Druck, um das Material gleichmäßig zu verteilen und zu verdichten.

 

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Edelsteinfassungen & Kordeln

 

6. Für Kordeln nimmt man zwei sehr schmale, lange Würstchen, erhitzt sie und lässt sie etwas auskühlen. Das ist sehr wichtig, denn wenn sie zu weich sind, drückt ihr sie beim Zwirbeln zusammen und die Form geht direkt wieder verloren! Sie sollten noch schön biegsam sein, aber nicht mehr zerdrückbar.
Dann klebt man die beiden Würstchen an einem Ende zusammen und jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, sie zu zwirbeln: entweder, man hält sie am geklebten Ende fest und schlägt die beiden Würstchen immer umeinander bis eine Kordel entsteht. Oder man hält die langen Würstchen in einer Art V-Form auseinander und dreht am zusammengeklebten Ende, so dass sie in Form gezwirbelt werden. Probiert einfach aus, was für euch einfacher ist, es funktioniert beides sehr gut.

 

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7. Zum Schluss wird die Länge der Fassung grob an der Vorlage abgemessen und schräg entlang einer Zwirbelung abgeschnitten. Einfach beide Enden erhitzen, zusammenkleben und man sieht gar nicht mehr, wo eigentlich Anfang und Ende waren.

 

Tipp: Fangt bei Vorlagen dieser Art mit der Fassung an!
Grund: sie liegt meistens mittig, von der Mitte nach außen modellieren ist einfacher. Außerdem kann es dann nicht passieren, dass ihr versehentlich beim Modellieren zu wenig Platz für die Fassung und damit den Edelstein lasst, womit der Edelstein später nicht mehr reinpassen würde.

 

Blätter & Blüten

 

Hier fängt man am besten außen an, nicht innen. Der Grund: bei solchen Ornamenten laufen mehrere ‚Stile‘ auf sehr kleinem Raum sehr eng zusammen. Fängt man innen an, muss man sich nur leicht verschätzen und schon wird alles viel breiter als geplant und wirkt klobig.
Um sie zu formen, nimmt man ein Würstchen in passender Länge und Dicke, erhitzt ein Ende, legt ein Rollwerkzeug etwas angewinkelt an und rollt das Ende so spitz zu.
Dann wird es einfach nochmal erhitzt, falls es nicht mehr warm genug ist, und in entsprechender Form auf die Vorlage gedrückt. Mit Fingern, Fingernägeln oder Modellierwerkzeugen kann man die Form korrigieren, bis sie einem gefällt.

 

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Schneckchen &Schnörkel

 

Hierfür nimmt man am besten ein sehr schmales, an einem Ende spitz zugerolltes Würstchen. Leicht erhitzen, evtl. etwas auskühlen lassen, damit es sich verformen aber nicht zerdrücken lässt. Dann rollt man das Würstchen zwischen zwei Fingern vorsichtig und ohne viel Druck auszuüben ein, angefangen mit dem zugespitzten Ende. Zum ankleben nochmal etwas erhitzen.

 

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Tipp: Falls es sich um ein sehr kleines Teil handelt: nehmt es mit einer Schere oder Zange auf statt es beim Erhitzen in den Fingern zu halten.

 

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Lange Stränge

 

Um sie zu formen, nimmt man ein langes Würstchen, misst die Länge grob an der Vorlage ab, erhitzt es und drückt es gemäß Vorlage auf. Dabei kann man mit Fingern, Modellierwerkzeugen, Besteck etc. einen dreiecksartigen Querschnitt formen. Nach Geschmack und Vorlage kann man vorher auch ein oder beide Enden etwas zuspitzen, damit es schön schmal ausläuft.

 

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Tipp: Überkreuzende Stränge können nicht nur zeitsparender sondern auch stabiler geformt werden, indem man immer alle Stellen, über die später noch etwas verläuft mit einem Werkzeug der Wahl plattdrückt. So kann man alle späteren Teile einfach drüberlegen, ohne hässliche Hubbel zu haben und sogar nochmal zusätzlich verkleben für mehr Stabilität. Denn Stück für Stück lauter kleine Abschnitte zusammen zu puzzeln dauert lange und man hat viel mehr potenzielle Bruchstellen.

 

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Die Nachbearbeitung

 

11. Wenn ihr alles fertig modelliert habt, überprüft nochmal, ob wirklich alles zu euer Zufriedenheit geformt wurde. Ihr könnt mit Werkzeugen oder Fingern nochmal die Form korrigieren, es mit einem Dremel etwas glätten oder einem Lötkolben/ Lotstation sehr kleine Partien erhitzen um beispielsweise Kerben zu ziehen, Löcher reinzuschmelzen etc.
Einmal an den Körper angepasst und von der Vorlage genommen, könnt ihr es mit dem Fön nicht mehr erhitzen und nachformen, damit würdet ihr unweigerlich andere Teile mitverformen und das Ornament ist hinüber.

 

Den Schmuck dem Körper anpassen

 

12. Nehmt das Ornament zum Formen auf keinen Fall von der Vorlage ab! Das es beim modellieren überall leicht angeklebt wurde, kommt nämlich jetzt beim formen zugute. Das ganze Stück wird von oben und unten (durch das Papier hindurch) gründlich und gleichmäßig erhitzt. Alle Stellen müssen biegsam sein, es sollte sich aber nicht heiß anfühlen oder so weich sein, dass man etwas versehentlich wieder zerdrücken könnte. Dann wird das fertige Stück samt Vorlage um etwas gelegt, was die gewünschte Form hat, aber etwas schmaler ist als das Körperteil, an das es später gehört.

 

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Warum? Ornamente dieser Art bleiben flexibel. Macht es also etwas schmaler, dann hält es ganz von selbst am Arm, Kopf etc. Fixiert die Vorlage samt Ornament mit etwas Klebeband, damit es während des Auskühlens nicht seine Form verliert. Man kann es direkt am Körper abformen da es sich nicht heiß anfühlen sollte, aber auch an Flaschen, Dosen etc.
Nach ca. 15-20min, je nach Dicke der Teile, ist meistens alles ausgekühlt und kann von der Vorlag abgezogen werden. Dann ist es fertig und wie man sieht auch schon flexibel.

 

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Der Edelstein

 

13. Und wo bleibt der Edelstein?
Der wird erst eingefügt, wenn alles fertig geglättet, grundiert und bemalt wurde, denn so muss man nicht ständig um einen Stein herummalen oder läuft Gefahr, ihn direkt mit anzupinseln. Einfach wenn alles fertig ist ein Stückchen WFA/ WBA nehmen, das etwas größer ist als der Edelstein, den Edelstein von unten/ innen in die Fassung einsetzen und mit dem Stückchen WFA/ WBA dort fixieren.

 

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Mit dieser Methode kann man alles Mögliche machen: Halsbänder, Armreifen, Tiara, Armschienen etc.
Selbst kleinere Ornamente dieser Art, wie ein Armband, dauernd ohne glätten, grundieren und bemalen locker 1std und aufwärts. Größere Teile dauern auch mit etwas Übung gerne mal 3 – 4 Stunden. Plant diese Zeit ein!
Auf diese Art kann man ganz zauberhafte Sachen aus Resten machen, aber mal eben in der Nacht vor der Con ist sowas leider nicht gemacht.

 

Übrigens: Wer nicht glaubt, dass solche filigranen Teile stabil sind… Murmeltierchen hat es auf den Boden geworfen. Mehrfach! Und ein dicker Kater hat auch drauf gelegen. War dem Armband egal!