Folklore

Geschrieben am 21.04.2015 von Nina in Games Japan und Lifestyle

Auch wenn Folklore schon ein etwas älteres Spiel ist, mussten wir es auf Grund der tollen Story und dem hübschen Spieldesign mal antesten. Vor allem stammt Folklore aus der Feder von Shin Megami Tensei – Schöpfer Kouji Okada! Den finden wir persönlich ziemlich cool, da ist es klar, das wir früher oder später einmal auf Folklore stoßen!
Folklore ist ein Action-Adventure und hatte sein Release bereits am 15.10.2007 und wurde von Game Republic entwickelt für die Play Station 3.

 

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Darum geht’s:
Einmal im Jahr öffnet sich im irischen Dorf Doolin ein Übergang ins Reich der Toten. Zu Beginn könnt ihr zwischen zwei Protagonisten auswählen, die auch es auch wagen die Schwelle zu übertreten.
Die Halbwaise Ellen zieht es nach Doolin in der Hoffnung ihre tote Mutter zu treffen, der Reporter Keats will ins irische Dorf, weil er eine große Story wittert. Dabei kreuzen sich ihre Wege immer wieder, mal als Team, manchmal auch als Rivalen. Die hübsche Ellen scheint allerdings mehr mit der Vergangenheit Doolins verbunden, als sie anfangs weiß. Um Ellens Vergangenheit und der des Dorfes auf die Spur zu kommen, in dem vor 17 Jahre bereits unheimliche Dinge passierten, die sich zu wiederholen scheinen, versuchen beide Protagonisten Kontakt mit den Toten von damals und heute aufzunehmen. Dazu reisen sie in verschiedene Unterwelten, in denen die Erinnerungen der Toten gefangen gehalten werden.
Um an die Erinnerungen heran zu kommen, müssen Ellen und Keats mächtige Wächter, oder auch Folklore, besiegen, die tief in dem Reich der Toten hausen. Natürlich stellen sich auch andere Kreaturen, die Folks, den beiden in den Weg. Diese sind aber nicht nur Hindernisse, sondern auch wichtige Helfer, um den Folkloren der einzelnen Reiche überhaupt zeigen zu können, wo der Hammer hängt.

 

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Mit Stil in den Kampf:
Eigentlich sind Ellen und Keats unbewaffnet und völlig wehrlos. Ein Glück, dass die beiden zu Beginn gleich die Seelen zweier Folks erhalten, um diese in den Kampf schicken zu können! Während des Spiels erlangt ihr immer mehr Monsterseelen, die ihr für eure Zwecke einsetzen könnt. Dazu müsst ihr euren Gegnern einfach nur lange genug auf die Rübe hauen, bis deren Seelen frei liegen und ihr sie dann absorbieren könnt. Damit euch nicht langweilig wird, haben die Kreaturen verschiedene Schwachpunkte, die ihr ausnutzen könnt. Besonders cool fanden wir, das ihr den Controller richtig einsetzen müsst bei einem Kampf. Ihr müsst nicht nur den Controller steuern wie ihr es immer tut, sondern auch abrupt Anheben, oder das Pad hin und her reißen, wild schütteln – dadurch machen Kämpfe einfach mehr Spaß!

 

Neben dem Erbeuten neuer Seelen, könnt ihr die bereits erworbenen Folks trainieren. Dazu müsst ihr meist eine bestimmte Anzahl ihrer Seelen absorbieren, andere Folks mit ihrer Hilfe besiegen oder gefundene Items verfüttern. Klingt aufwendig, ist es auch! Aber es lohnt sich. Wenn ihr alle Bedingungen konsequent abarbeitet, könnt ihr euch über größere Wirkungsbereiche, mehr Angriffskraft oder geringere Beschwörungskosten freuen.
Es gibt über hundert Folks. Nicht alle verfügen über Schaden, manche geben auch Defensivkräfte oder Status verändernde Eigenschaften.

 

Nicht nur die Folks sind wandlungsfähig, sondern auch Ellen und Keats! Ellen kann verschiedene Mäntel anlegen, die sie vor bestimmten Statusveränderungen oder Elementen schützen. Und man muss sagen, wenn sie das erste mal einen Mantel anlegt, erinnert das schon ein wenig an ein Magical Girl.
Keats bekommt keinen stylischen Mantel und keine Magical Girl Verwandlung, sondern kann Energie sammeln, um eine kurzzeitige Metamorphose durchzuführen, die den Kampfgeist seiner Folks vorübergehend stärkt.
Natürlich müssen beide Helden aufpassen und den Angriffen feindlicher Folks aus dem Weg gehen. Die fügen den beiden direkten Schaden zu, der an ihrer Lebensenergie zehrt. Fällt diese auf Null, kehrt ihr mit Keats oder Ellen zum letzten Speicherpunkt zurück. Erworbene Folks, Items oder Erfahrungspunkte bleiben aber erhalten, keine Sorge!
Die Speicherpunkte dienen zudem als Heilstation, Umkleidekabine (ihr könnt hübsche Outfits freischalten!), Rückkehrmöglichkeit ins Dorf und Teleports zu bereits passierten Speicherpunkten.

 

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Die Schauplätze sind sehr kompakt und linear. Heißt also keine große Erkundungen, Levelinteraktionen oder Rätsel. Was eigentlich wirklich schade ist. Aber dafür ist die Kulisse wunderschön! Farbenfrohe Blumenwiesen des Faery-Reichs, versunkene Tempel und Grotten der Meeresstadt bis zu verwüsteten Kriegsschauplätzen. Alle Schauplätze sind passend und atmosphärisch in Szene gesetzt! Sogar die dazugehörigen Folks sind alle einfallsreich und liebevoll gestaltet. Auch die Soundkulisse verstärkt gekonnt die optischen Eindrücke.

 

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Story-Sequenzen:
Ja, die Story-Sequenzen. Der Part, dem jeder Gamer entgegenfiebert! Aber da punktet Folklore leider nur wenig. Während die nur selten eingespielten, aber komplett vertonten und teils hübschen Render-Sequenzen für Stimmung sorgen, kommt während der vorwiegend verwendeten stummen Standbildszenen im Comicstil nur selten, bis gar keine Stimmung auf. Das zerstört leider die Atmosphäre des Spiels. Wenigstens bleibt die geheimnisvolle Hintergrundgeschichte die meiste Zeit spannend, die aber leider nur in kleinen und nicht zu viel verratenden Häppchen präsentiert wird.
Auch schade ist, das Ellen und Keats stets dieselben Orte besuchen und es dadurch zu zahlreichen Wiederholungen kommt. Zwar bekommt ihr so dieselbe Situation aus sehr verschiedenen Blickwinkeln präsentiert, aber das führt oftmals zu unnötigen Leerlauf oder ist nicht immer ganz logisch, die mit eigenen Raum-Zeit-Gefüge der Unterwelt abgetan werden. Schade!
Ihr kämpft sogar mit beiden Charakteren gegen dieselben Folklore in den Kampf. Zwar mit unterschiedlichen Taktiken, aber insgesamt mangelt es dem Spielverlauf zu sehr an einzigartigen Orten, Gegner und vor allem Situationen, so dass der zweite Besuch mit dem anderen Charakter eher wie eine blöde Verpflichtung erscheint.

 

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Zusatzinhalte:
Ihr könnt optional Mini-Quests im örtlichen Wirtshaus annehmen. Davon gibt es aber nicht allzu viele und meistens geht es auch nur darum, bestimmte Orte zu erreichen oder Gegner zu klatschen, die man bereits alle schon von den Story-Einsätzen kennt. Cool ist aber, das ihr dabei teils seltene Folks ergattern könnt, die ihr so nicht finden könnt. Ihr könnt auch ohne aktive Quest bereits erkundete Orte aufsuchen, um nach unentdeckten Folks Ausschau zu halten. Manche lassen sich nämlich erst nach dem Erfüllen bestimmter Bedingungen blicken.

 

Wer möchte, kann sogar sein eigenes Totenreich erschaffen, die anderen Spielern online zur Verfügung stellen und dabei Punkte sammeln, um weitere Folks freizuschalten. Leider ist der dazugehörige Leveleditor nicht sonderlich einfallsreich, um damit längerfristig Spaß zu haben – sowohl als Spieler als auch Bauherr.
Ziel aller Level ist es, während eines automatisch generieren Zeitlimits den Ausgang zu finden. Klingt nach einer netten Idee, aber ihr wisst ja, nett ist die kleine Schwester von Sch… ade!

 

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Fazit:
Kouji Okadas von keltischer Mythologie geprägter Ausflug ins Totenreich ist schon stimmungsvoll. Gerade der Anfang beginnt richtig gut. Die Kreaturen und Kulissen sind mit so viel Liebe gestaltet, die Story ist schön dramatisch, aber die Handlung wird meistens zu unspektakulär präsentiert. Die Level sind zu linear gestaltet und die ständigen Wiederholungen sind langweilig. Aber irgendwas hat Folklore! Fans von irischen Volksmärchen werden das Spiel sicherlich mögen! Müssten wir das Spiel benoten, wäre es eine 3. Das Spiel ist atmosphärisch und liebevoll gestaltet. Allerdings spielt man es einmal durch und rührt es nicht mehr an. Schade!