How to: Applizieren

Geschrieben am 17.03.2016 von Nina in Stoff und Schere Tutorials

Die liebe Murmeltierchen Cosplay versorgt unsere Tutorial-Sektion wieder mit einem pfiffigen Tutorial! Dieses Mal geht es ums Applizieren!

 

Das braucht ihr:
Stoff
Vliesline/ Bügeleinlage
Vliesofix
Schere/ Cutter
Bügeleisen
Stickgarn

 

1. Vorbereitung

 

Es gibt beim Applizieren mehrere Möglichkeiten, die davon abhängen, wie sich der Stoff, der appliziert wird, verhält:

 

Möglichkeit 1: kaum/ gar nicht fransender Applikationsstoff
Beispiele: Jersey, Batist, Popeline, Kunstleder, Microfaser, Spandex, die meisten Viskose-Stoffe, die meisten dünnen Satinsorten
Die Vorlage wird auf das Vliesofix durchgepaust und anschließend wird in ca. 1 – 2 cm Abstand grobmotorisch die Form ausgeschnitten.

 

Das Motiv muss außerdem mit Vlieseline unterlegt werden, damit es sich beim nähen später nicht verzieht. H200er Vlieseline reicht meistens. Bei komplexeren Motiven lieber zur steiferen H250 greifen.
Also ausgeschnittenes Vliesofix auf die Vliesline legen und ebenfalls Pi mal Daumen ausschneiden.

 

Tutorial_Applikationen01

 

Jetzt wird beides auf den Stoff, mit dem appliziert wird gebügelt. Die Vlieseline wird zuerst aufgelegt und zwar so, dass die klebende (glänzende) auf der Rückseite des Stoffes aufliegt. Darüber wird das Vliesofix gelegt, das Trägerpapier muss dabei nach oben zeigen.
Dann wird für ca. 10 sek auf Stufe 2 drübergebügelt.

 

Bei einigen einfachen Formen, wie Quadraten, Streifen oder Kreisen, die auf griffigem, nicht-elastischem Stoff wie Köper, fester Duchess, Kunstleder, Jeansstoff oder Baumwollsamt appliziert werden, muss man den Stoff nicht zusätzlich von unten verstärken.
Appliziert man auf elastischem, weichem oder feinem Stoff oder ist das Motiv relativ komplex, sollte der Stoff zusätzlich von unten großzügig (!) mit Vlieseline (ich nehme meist die H250) verstärkt werden. Ziel ist es, rings um das Motiv genug verstärkten Stoff zu haben, um ihn sicher und sauber um Kurven zu führen, ohne dass er sich verzieht oder man beim nähen „ruckelt“. Unterschätzt nicht, wie stark elastisch die meisten Stoffe diagonal zum Fadenlauf sind. Es gibt, falls es sich z.B. um weite Ärmel handelt, in die man später reinschauen kann, auch Stickvlies zum abwaschen oder abreißen. Er lässt sich nach getaner Arbeit nahezu spurenlos entfernen und es sieht dann auch von innen alles ordentlich aus.

 

Tutorial_Applikationen02

 

Jetzt wird die genaue Form ausgeschnitten. Die Form wird außen mit einer Schere ausgeschnitten, falls sie noch Kleinteile innen hat, nehmt hierfür am besten einen Cutter. Die Klinge sollte scharf und sauber sein. Das Trägerpapier wird abgezogen und die komplett ausgeschnittene Form wird jetzt auf den Stoff gelegt und wieder für ca. 10sek auf Stufe 2 aufgebügelt. Achtet besonders auf abstehende Spitzen und andere kleine Teile, diese müssen besonders sorgfältig fixiert werden.

 

Möglichkeit 2: fröhlich fransender Applikationsstoff
Beispiele: dicke Polyestersatinsorten, Baumwollsamt, Chiffon, Organza, Georgette, allround-Stoffe aus Polyester

 

Der Vorgang ist größtenteils identisch mit Möglichkeit 1.
Aber BEVOR das Vliesofix-Vlieseline-Stoff-Sandwich ausgeschnitten wird, werden alle Ränder mit einem schmalen Zickzackstich umrandet. Anschließend wird knapp neben diesem Rand ausschnitten. Dadurch wird verhindert, dass der Stoff trotz Vliesofix und Vlieseline fransen kann. Macht ihr das nicht, wird er noch während des Applizierens fransen und die Fransen sind später sichtbar, weil man sie nicht nah genug am Stoff abgeschnitten bekommt.

 

2. Nadel- und Garnwahl

 

Nadel: zum applizieren braucht ihr zum einen eine feine Nadel, idealerweise eine 60er/ 70er Microtex/ Sticknadel, aber eine 70er Universalnadel tut es auch. Mit 80er und aufwärts Nadeln oder stumpfen Spitzen macht ihr euch bei der enormen Anzahl an Stichen auf engstem Raum den Stoff kaputt.

 

Tutorial_Applikationen03

 

Garn: idealerweise Maschinenstickgarn als Oberfaden, ich bestelle meins immer bei silkes-naehshop.de, das Marathon Maschionenstickgarn aus Rayon. Achtung! Es ist deutlich weniger reißfest als Nähgarn! Es gibt auch mattes Maschinenstickgarn, viele Stoffläden führen es, allerdings meistens mit einer eingeschränkten Farbauswahl. Sowohl das leicht schimmernde als auch matte Maschinenstickgarn weisen einen wesentlichen Unterschied zum Nähgarn auf: die Fasern sind besonders glatt, dadurch werden sie bei der enormen Anzahl an Stiche auf engem Raum nicht aufgeraut wie bei Nähgarn. Man erhält einen sauberen Stickrand gegenüber Nähgarn, mit dem es oft etwas fusselig und unordentlich aussieht.

 

Als Unterfaden nehmt normales Nähgarn in halbwegs passender Farbe, dann ist immerhin einer von zwei Fäden recht reißfest und der Unterfaden wird aufgrund der höheren Fadenspannung immer stärker belasted als der Oberfaden.

 

3. Maschineneinstellungen

 

Stich: Zickzackstich, einer der Standardstiche jeder Haushaltsmaschine.
Falls ihr noch nicht mit diesem Stich gearbeitet habt, probiert erstmal auf einem Stück Stoff aus, welche Stichbreite gut aussieht. Ein zu breiter Rand sieht klobig aus, ein zu schmaler erwischt möglicherweise den Stoff nicht und die Applikation franst aus.

 

Stichlänge: etwas oberhalb von 0
Bei den meisten Maschinen klickt es leise, wenn man die Stichlänge verstellt. Stellt die Stichlänge auf 0 und dann 2-3 „Klicks“ weiter, das ist bei fast allen Maschinen die richtige Einstellung für einen sauberen, durchgehenden Stickrand, bei dem der Stoff nicht durchscheint, der aber auch nicht so dick ist, dass er den Transport behindert und Stickknubbel entstehen.

 

Fadenspannung: Oberfadenspannung 0, der Oberfaden (das Stickgarn) sollte sich quasi gar nicht mehr wehren sondern vom Unterfaden zurechtziepen lassen. Stellt ihr sie höher ein, steigt damit di Gefahr, dass euch der Oberfaden reißt. Unterfadenspannung bleibt so, wie man sie beim normalen Nähen auch nimmt.

 

Tutorial_Applikationen04

 

4. Applikation einfassen

 

Jetzt werden sämtliche Ränder des Motivs mit dem Zickzackstich eingefasst.
Fangt an, indem ihr mit dem normalen Nähstich erst verriegelt, dann auf den Zickzackstich mit entsprechenden Einstellungen umstellt. Fangt am besten an einer breiten Stelle „mittendrin“ an, nicht an Spitzen o.Ä.

 

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Achtet darauf, dass ihr wie auf dem Bild gezeigt möglichst nah an der Schnittkante entlangnäht. Damit stellt ihr sicher, dass genug Stoff erwischt wurde, damit er sich bei Bewegungen oder beim Waschen nicht aus dem Stickrand lösen und losfransen kann.

 

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5. Kurven nähen

 

Wenn ihr um eine Kurve nähen müsst, fixiert den Stoff mit einer Hand auf der Innenseite der Kurve und führt ihn mit der anderen Hand um diese Achse. Fasst den Stoff möglichst nah am Nähfuß an.
Bei sehr engen Kurven führt den Stoff nicht nur auf der Außenseite um die Achse, sondern auch gleichzeitig auf der Innenseite in Gegenrichtung. Ist viel Übungssache 😉

 

Tutorial_Applikationen07

 

Schwierigkeiten mit Kurven? Wenn ihr merkt, dass ihr beim Nähen aus der Kurve fliegt, versenkt zwischendurch die Nadel im Stoff, klappt den Nähfuß hoch, richtet den Stoff gemäß des Kurvenverlaufs neu aus, Nähfuß runter und näht weiter. Damit wird die Kurve in lauter kleine Abschnitte unterteilt.

 

6. Tricks für schöne Stickränder

 

Schräg sitzende Stickänder sehen bei einigen Formen, die spitz zulaufen besonders hübsch aus. Um sie zu erzielen, führt den Stoff nicht wie normalerweise parallel zur Transportrichtung, sondern zieht ihn seitlich unter dem Transport durch, wie mit dem Pfeil markiert. Dadurch werden die Stiche nicht rechtwinklig zur Schnittkante, sondern schräg gesetzt.

 

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Wer bei einem Motiv wie diesem, welches sehr breite sowie sehr schmale Stellen enthält, nicht alles immer in gleicher Stichbreite einfassen möchte, der kann sie beim Nähen anpassen. Diese auslaufenden Stickränder sehen besonders an Spitzen, aber auch an vielen Kurven sehr schön aus und betonen die Form des Motivs zusätzlich. Ganz wichtig bei Spitzen: der Stich muss immer breit genug sein, um den Stoff auch ausreichend einzufassen! Stellt ihn daher nicht zu schmal ein.

 

Näht immer ca. 0,5cm in einer Stichbreite, bevor ihr sie breiter/ schmaler stellt. Damit garantiert ihr einen fließenden Übergang. Wer das noch nie gemacht hat, sollte anfangs erstmal den 1. Stich in neuer Stichbreite per Hand setzen. Hierfür kurbelt ihr den 1. Stich, achtet drauf wo die Nadel einstechen würde und falls es zu weit außen/ innen wäre und der Übergang kantig wird, wird der Stoff etwas zurechtgerückt. Mit etwas Übung kann man während man näht mit einer Hand die Stichbreite verstellen.

 

7. Nachbearbeitung

 

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Wenn alles fertig eingefasst ist, müssen die Fäden verschwinden. Schneidet sie nicht einfach nur ab!
An allen Stellen, an denen ihr zuvor nicht verriegelt habt und dann drübergestickt habt, zieht ihr den Faden auf der Oberseite mit einer Nähnadel auf die Unterseite durch. Dort werden Ober- und Unterfaden verknotet, durch einen Sticktunnel gezogen und dann abgeschnitten. Wird das Teil später gefüttert oder ist von innen nie sichtbar, dann kann man die Fäden auch einfach verknoten und in 2-3cm Abstand abschneiden.

 

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Wenn das Teil später nicht so steif bleiben soll, wie es das beim applizieren durch die Vlieseline war, wird diese jetzt entlang des Motivrandes entfernt. Durch die viele Stickerei habt ihr die Vlieseline quasi perforiert und könnt sie jetzt abziehen wie Klopapier.
Sehr sorgfältig aufgebügelte Vlieseline muss erst vom Stoff gelöst werden, indem ihr den Rand mit den Fingern ablöst und dann am besten mit einem Butterbrotmesser zwischen Vlieseline und Stoff entlangfahrt. Danach könnt ihr sie einfach abziehen.

 

FERTIG!!

 

Applizieren ist meistens eine recht zeitaufwendige Technik, aber das Ergebnis ist sehr stabil, bestens waschbar und von dauerhafter Schönheit.
Hier ein paar Beispiele dafür, was man mit Applikationen alles Hübsches machen kann.
Viel Spaß beim Applizieren!