Interview mit Cynjya

Geschrieben am 01.03.2016 von Nina in Cosplayer Interviews

Wenn man als Cosplayer viele Facetten zeigen möchte, sollte man in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen können und diese auch überzeugend rüber bringen können. Cynjya kann einige Seiten ausdrucksstark rüber bringen! Von niedlich bis hin zu Badass, aber lest selbst!

 

Bild 5 - Mitsuha

 

1. Beginnen wir mit der beliebten Einsteigerfrage: Wie lange cosplayst du schon und wie bist du zu diesem kreativen Hobby gekommen?

 

Hallo und danke, dass ihr dieses Interview mit mir macht. Freut mich wirklich riesig.
Ich cosplaye seit 2008. Ich war davor schon oft auf der Leipziger Buchmesse und natürlich fiel auch mir auf, dass immer mehr Anime-Fans sich wie die Charaktere, die man kennt, anziehen. Und irgendwie fand ich es spannend, aber doch komisch so in der Öffentlichkeit.
Als ich von zu Hause ausgezogen bin und dann im Studium eine Larperin kennenlernte, die ihre Kostüme auch selbst näht, haben wir uns zusammen gesetzt und sie hat mir die ersten Grundlagen beigebracht. Freunde, die mitmachen waren schnell gefunden und so entstanden die ersten Cosplays.

 

2. Was denkt dein Umfeld über dein Hobby?

 

Meine Familie war anfangs sehr skeptisch, vor allem, wenn ein Cosplaydesign mal freizügiger war. Aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt, unterstützen mich und fragen immer nach neuen Bildern.
Meine Freunde fanden das Hobby von Anfang an toll. Vor allem auch die, die eigentlich mit Animes oder Manga nicht so viel zu tun haben. Selbst meine Arbeitskollegen waren immer sehr offen und fragten nach neuen Projekte. Als ich beim Einstellungsgespräch mal nach meinen Hobbys gefragt wurde, sagte ich „Cosplay.“ Nach der Erklärung, dass ich kreativ mit Freunden zusammen nähe und bastel, mich mit den unterschiedlichen Materialien beschäftige und Conventionreisen organisiere, fanden sie es sogar klasse als Antwort, da es ebenso Teamwork zeigt wie Fußball.

 

Bild 8 - Nidalee

 

3. Was für Eigenschaften muss ein Charakter besitzen, das du ihn unbedingt umsetzen möchtest?

 

Das wichtigste ist für mich, dass ich das Outfit mag und auch umsetzen kann. Auch körperlich. Ich möchte ja gut in meinem Cosplay aussehen.
Ansonsten richte ich mich wenig nach speziellen Eigenschaften, da ich alles mal ausprobieren will: von zuckersüß bis gemein! Tendenziell mag ich aber vor allem starke weibliche Charaktere, die sich durchsetzen können und eine große Klappe haben.

 

4. Wo siehst du deine Stärken und wo deine Schwächen beim Cosplay?

 

Fangen wir mal mit den Schwächen an. Meine größte ist definitiv das Make-up. Ich schminke mich im privaten Leben gar nicht und musste mir daher extra fürs Cosplay vieles zulegen und beibringen und bin noch weit davon entfernt auch nur gut zu sein. Ich fühle mich mit zu viel Make-up auch immer noch etwas unwohl. Die andere Schwäche wäre wohl das Zeitmanagement. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich noch in der Nacht vor der Con nähend im Hotel gesessen habe! Aber das Problem hab ich ja nicht alleine.

 

Meine Stärken liegen leider nicht im nähen oder basteln auch wenn ich beides gern mache. Ich denke, meine Stärke liegt in meinem Ausdruck bei Fotoshootings. Ich bin wirklich wandelbar in Körpersprache und Gesichtsausdruck, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt mit mir (klar, auf Con-Fotos kommt das manchmal nicht so gut rüber :P)
Ich habe auch öfter außerhalb des Cosplay Shootings und hab da zumindest viele Komplimente bekommen, da ich immer neue Ideen für Posen habe. Leider kenne ich zu wenig Fotografen, mit denen ich mal meine Cosplays shooten kann… tatsächlich hatte ich erst ein Cosplay-Shooting außerhalb einer Con.

 

Bild 7 - Syndra

 

5. Welcher Part beim Cosplayprozess macht dir besonders viel Spaß?

 

Ich glaube der Part auf der Convention. Wenn das Cosplay endlich fertig ist und ich es tragen kann. Klar, manche Cosplays sind auch unbequem und man will nach 3 Stunden nur wieder raus aber trotzdem macht es mir viel Spaß. Der Entstehungsprozess ist manchmal eher anstrengend, eben weil am Ende oft die Zeit fehlt und es hektisch wird. Ich muss da wohl mal dran arbeiten XD

 

6. Was ist für dich beim Cosplay ein absolutes No-Go?

 

Crossplay. Nicht allgemein, sondern nur für mich!
Männer stehen mir nicht und ich wüsste gar nicht, wie ich meine Brüste wegbekommen sollte. Abbinden ist außerdem schädlich für das Brustgewebe, wenn man das zu lange macht und auf den meinen Cons ist man ja länger als ein paar Stunden. Daher für mich ein No-Go.

 

Bild 6 - Steampunk Faun

 

7. Cosplay setzt sich aus vielen Disziplinen zusammen. Man muss nicht nur nähen und basteln können als Cosplayer, nein! Sondern auch Perücken stylen, Make-up beherrschen und vor der Kamera posen können. Welche dieser vielen Disziplinen macht dir am meisten Spaß?

 

Das Posen vor der Kamera, definitiv. Vor allem, wenn man wirklich mal Zeit hat, mit einem Fotografen wirklich zusammen zu arbeiten und nicht nur fix ein Foto im Vorbeigehen machen. Mir unterschiedliche Posen ausdenken, den Gesichtsausdruck anpassen und das für ganz unterschiedlichen Charaktere. Das macht mir wirklich Spaß. Da dürfte ein Shooting auch gern ein paar Stunden dauern. Außerdem ist dann da dieser Moment, wenn man die fertigen Bilder sieht und einfach nur stolz auf sich ist. Perfekt!

 

8. Was war bei deinen bisherigen Cosplays die größte Schwierigkeit die du meistern musstest?

 

Ich möchte gern mehr Waffen bauen und generell auch mehr mit unterschiedlichen Materialien arbeiten. Jedoch hab ich nur wenig Geld zur Verfügung und immer wenn man etwas neu ausprobiert, kommt es auch zu fails… und ich hasse es, Geld zu verschwenden. Daher war ich sehr traurig, als ich einmal ein komplettes Paar Schultern aus Worbla für meine Rüstung noch einmal machen musste, weil die alte zu groß war. Nun hab ich zwei paar aber viel verschwendetes Material. Ich denke, vor allem mental war dies das schwierigste bisher.

 

Bild 4 - Millerna Aston

 

9. Hast du ein Traumcosplay, was du noch realisieren möchtest?

 

Ja, seit Jahren möchte ich Schattenlied aus Spellforce 2 cosplayen aber bisher klappte es nie, weil ich auch ihre Figur dafür haben möchte. Vielleicht ja dieses Jahr, wer weiß? Die guten Vorsätze mit mehr Sport und besserer Ernährung sind noch intakt.

 

10. Gibt es ein Cosplay, wo du dich noch nicht ran gewagt hast und warum?

 

Irgendwo ganz tief in mir würde ich gerne ein richtig tolles Abendkleid machen, vielleicht sogar mal für die Gala Nocturna. Aber da reichen meine Nähkünste leider noch nicht ansatzweise. Vielleicht in 6 Jahren? Fragt dann nochmal nach!

 

Bild 3 - Anna Kurauchi

 


11. Cosplayer der alten Schule legen sehr viel wert auf selbstgemachte Kostüme. Wie denkst du darüber? Ist es für dich okay ein Cosplay käuflich zu erwerben?

 

Für mich ist jedes Cosplay ein Cosplay, völlig egal, ob es selbst gemacht oder gekauft wurde. Ich habe selbst 2 Cosplays, die ich von anderen Cosplayern erworben habe. Ob man es nun selbst macht oder selbst kauft, wichtig ist doch, dass man sich wohl fühlt und Spaß hat. Das einzige, was ich nicht mag ist, wenn man ein gekauftes Cosplay als selbst gemacht ausgibt. Ehrlichkeit soll schon sein.
Übrigens in Japan kaufen ein Großteil der Cosplayer ihre Kostüme. Auf den Conventions dort wird auch keinerlei Unterschied gemacht, ob das Cosplay gekauft ist oder nicht. Nicht mal danach gefragt. Ich finde, so sollte die deutsche Community auch damit umgehen.

 

12. Kommen wir zur letzten Frage: Was würdest du dir als Cosplayer von der Cosplay-Community wünschen?

 

Ich denke, die deutsche Community ist im Großen und Ganzen toll, so wie sie ist. Was ich mir wünschen würde, wäre Fotografen, die offener dafür wären, auch mal mit neuen Leuten zu shooten.
Von den Cosplayern wünsche ich mir, dass sie weiterhin so offen zueinander bleiben. Vor allem im Vergleich zur japanischen Cosplaycommunity, die ich ein Jahr beobachten konnte, finde ich die deutsche viel besser. Bei uns ist Cosplay noch mehr Hobby als Wettbewerb, mehr Freundschaft als Selbstdarstellung und mehr miteinander als gegeneinander. Das ist toll und es soll so bleiben.

 

Bild 2 - Cpt.America

 

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