Interview mit der Beskarschmiede

Geschrieben am 22.12.2015 von Nina in Cosplayer Interviews

Wir hatten die Chance einen Kostümclub zu interviewen. Und es ist nicht irgendein Kostümclub! Nein, sondern Star Wars Fans, die sich mit dem Bau von mandalorianischen Rüstungen beschäftigt. Jargo von der Beskarschmiede stand uns Rede und Antwort.

 

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1. Für alle die euren Kostümclub nicht kennen, erklärt doch mal kurz, was genau die Beskarschmiede ist und wie ist sie zu Stande gekommen?

 

Die Beskarschmiede ist eine unabhängige Plattform für alle Fans, die sich in der mandalorianische Kultur heimisch fühlen und besonders an den Bau der Beskar’gam- mandalorianischer Rüstungen / Kostüme aus dem StarWars© Universum interessiert sind. Sie ist bis dato die größte und aktivste Event- und Kostümgruppe für Mandalorianer im deutschsprachigen Raum. Ihre Mitglieder sind weit verbreitet von der Nordsee bis in die Alpen, vom Ruhrgebiet bis nach Ostdeutschland.

 

2. Kann jeder Star Wars Fan eurem Club beitreten? Was muss man für Kriterien erfüllen?

 

Allgemein gesagt, ja. Wer sich aber bei uns anmeldet, muss an dem Bau einer Rüstung und an der mandalorianischen Kultur interessiert sein.

 

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3. Wie groß ist eure deutsche Gemeinschaft?

 

Im deutschsprachigen Raum haben wir momentan um die 200 Mitglieder. Zudem haben wir auch Mitglieder in außereuropäischen Ländern wie zum Beispiel Thailand und Brasilien.

 

4. Star Wars Fans gibt es schon seit der ersten Stunde. Wie ist in eurer Community der ungefähre Altersdurchschnitt?

 

Das Alter unserer Mitglieder geht weit auseinander. Wir haben Leute der ersten Generation, die noch zu ‚Krieg der Sterne‘ ins Kino gingen, also um die 50+. Die zweite Generation, die mit der Special-Edition,den Prequels und Videospielen aufwuchsen und heute Mitte bis Ende 20 sind. Und die dritte Generation, welche zum Großteil die Kinder der Ersten sind, sowie die Zielgruppe der jüngsten Fernsehserien. Hier liegt das durchschnittliche Alter bei 16 Jahren. Generell sollte man aber mindestens 16 Jahre alt sein, um bei uns mitzumachen, das hat verschiedene Gründe.

 

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5. Was macht man als Mitglied der Beskarschmiede? Hat man Verpflichtungen oder ist eure Gemeinschaft „just for fun“?

 

Sowohl als auch. Unsere Mitglieder bauen sich ihre eigene Beskargam, das ist unser Aufnahmekriterium, und sozusagen die zu „erfüllende Pflicht“, um Mitglied bei uns zu sein. Es ist ein Hobby, das wir in unserer Freizeit ausüben. Wer hier keinen Spaß versteht macht, mit seinem Leben etwas falsch. Was nicht heißen soll, dass es bei uns keine Form der Ordnung gäbe.

 

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6. Wie kommt man in den Besitz eines Filmakkuraten imperialen Kostüms? Bastelt ihr eure Kostüme selbst oder gibt es da andere Quellen?

 

Es ist immer mit Schwierigkeiten und meist auch mit hohen Kosten verbunden, ein filmakkurates Jango oder Boba Fett Kostüm zu bekommen. Es gibt natürlich Händler, die filmakkurate Teile einer Rüstung verkaufen, selten allerdings die komplette Rüstung. Das ist fast immer mehr teuer, zudem muss man genau überprüfen, ob der Gegenstand dann tatsächlich akkurat ist. Einheitsgrößen sind ein weiteres Problem, es bringt nämlich nichts, wenn das Kostüm akkurat, dafür aber zu klein bzw. zu groß ist. Wir für unseren Teil bauen unsere Rüstungen selber, auch wenn gelegentlich bestimmte Parts gekauft oder anders bezogen werden. Die „Gam“ (Eiserne Haut) kann, muss aber nicht filmakkurat sein. Wir geben unseren Mitgliedern die Möglichkeit, ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen. Jango und Boba waren ja nur zwei Vertreter der Mandalorianer. Schaut man das erweiterte Universum an – selbst wenn man nur noch den Disney-Kanon vorliegen hat – gibt es genügend andere Mando’s, die man als Vorlage hernehmen kann. Oder man geht den eigenen Weg. Die Kultur der Mandos basiert stark auf Selbstverbesserung, Identität und Individualismus, es gehört zur Sitte, dass man seine Rüstung persönlich anpasst und gestaltet, je nach Lebenslage oder allein auch nur um sich von auseinanderhalten zu können. Nach dem Motto: Durch das Anlegen der Rüstung zeigst du der Welt, was du bist. Und durch das eigene Design, wer du bist.

 

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7. Wir sind ja auf Cosplay spezialisiert. Wie steht ihr zu dem Thema Cosplay? Bezeichnet ihr euer Kostüm als Cosplay oder ist es für euch was ganz Anderes?

 

Da scheiden sich die Geister- „Es gibt zwei arten von Mandalorianischen Cosplayern – Mandalorianer und Cosplayer“. Der Satz sagt das Meiste aus. Für viele mag es einfach nur ein Kostüm sein, das man ein paar Mal anzieht und wenn es auseinanderfällt, lässt man es verstauben und zieht sich das nächstbeste andere Videospielfranchise-Kostüm an. Cosplay ist auch nicht jedermanns Lieblingswort. Manche nennen es Reenactment, LARP, Pre-Enactment, Movie-Display oder Movie-Reenactment, da gibt’s genug Wörter für jeden Anlass. In der Regel haben aber alle Auslegungen ein interessantes Detail gemeinsam. Die Leute tragen immer das Kostüm bzw. den Charakter, mit dem sie sich am meisten identifizieren können oder so sein möchten. Der Clou mit den individualisierten Rüstungen bei uns ist, dass man nicht aufhört sie zu tragen. Manche von uns bauen an Ihren Rüstungen schon mehr als fünf Jahre rum. Immer wird irgend ein Upgrade hinzugefügt, Reparaturen durchgeführt, komplette Sektionen ersetzt. Oder man baut sich eine zweite Rüstung. Wenn man seine eigene Persönlichkeit mit einfließen lässt, hat man oft eine viel engere Bindung als mit einem einfachen Charakter-Cosplay.

 

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8. Sprechen wir doch über den neuen Star Wars Film. Was war euer Gedanke, als bekannt wurde, das Disney hinter dem neuen Star Wars Film steckt? Glaubt ihr das der Film großartig wird?

 

Hier gehen die Meinungen, wie auch im ganzen Fandom, weit auseinander. Positive und negative Stimmung halten sich so ziemlich die Waage. Technisch wird der Film einwandfrei sein, aber letztendlich ist es auch nur ein Film von einem Branchenriesen. Man merkt durch den Hype und die Werbung, die mittlerweile schon penetrant ist, das Disney seine 4 Mrd. Investition wieder einspielen möchte. Im Big-Budget Bereich geht Hollywood unentwegt den Weg des geringsten Risikos für die maximale Vermarktungsmöglichkeit – Ich erwarte also keine allzu originellen Einfälle. Eher Fanservice.

 

9. Jetzt wo Star Wars in den deutschen Kinos erscheint, seid ihr bestimmt sehr gefragt. Werdet ihr auch kostümiert zur Star Wars Premiere gehen? Oder seid ihr vielleicht sogar gebucht?

 

Die meisten unserer Mitglieder gehen kostümiert in die Kinos, egal ob privat oder in Gruppen. Zum Teil sind wir in manchen Regionen sogar für mehrere Tage gebucht worden, darum kümmern sich dann die Mitglieder vor Ort, da wir ja über ganz Deutschland verteilt worden sind.

 

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10. Kommen wir zur letzten Frage: Welcher Star Wars Bösewicht rockt am meisten und warum?

 

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mandalorianer sind, außer sich selbst, niemandem Rechenschaft schuldig. Sie definieren sich über eine gemeinsame Ideologie und Identität. Man könnte vermuten, dass wir für Boba Fett oder Jango stimmen, aber objektiv betrachtet waren das nur Männer, die einen Job gemacht haben, in dem sie am besten waren. Ist das wirklich böse? Selbst Sturmtruppen glauben daran, das Richtige zu tun, um Ordnung in der Galaxis zu schaffen – was nicht heißt, dass der Imperator ein Heiliger gewesen wäre. Wenn man das Gedankenspiel weitertreiben möchte, wäre jeder Jedi der Prequels – die über dem Gesetz der Republik standen und als „Friedenshüter“ den Klonkrieg, mit den Erstschlag auf Geonosis gestartet haben – ein Böser.

 

Jaro

 

Vielen Dank für das Interview! Für mehr Infos schaut doch auf www.beskarschmiede.de!