Interview mit ELaD

Geschrieben am 29.09.2016 von Nina in Cosplayer Interviews

Die gute ELaD ist uns durch ihre teilweise ausgefallenen Kostüme ins Auge gefallen. Daher dachten wir uns: Quatschen wir mal über Cosplay! Das Ergebnis seht ihr hier.

 

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1. Wir beginnen wieder mit der typischen Einsteigerfrage: Wie lange übst du das Hobby Cosplay schon aus und wie bist du zu Cosplay gekommen?

 

Bei der Frage muss ich immer wieder überlegen. Das war 2007 oder 2008, da war ich ungefähr 16. Ich habe in meinem damaligen Karate-Verein meine bis heute längste und beste Freundin kennen gelernt. Sie ist quasi dafür verantwortlich. xD Sie hat mich zu den wöchentlichen Japan-Anime-Manga-Treffen mitgenommen, die es damals noch in unserem kleinen Städtchen gab, und mir von Conventions und Cosplays erzählt. Ich war der festen Überzeugung, dass ich so etwas nie machen werde. Dann waren wir zusammen auf der Leipziger Buchmesse, besonders in dem Comic-Bereich (in den ich mit meinen Eltern nie gehen durfte) und ich war einfach überwältigt von den Cosplayern und den Charakteren, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte, und der tollen Stimmung und der Atmosphäre, die sie verbreitet haben. Und das wollte ich auch! Ich habe gemerkt, dass es nicht um Lächerlichkeit geht, sondern um Spaß und mit ganz vielen anderen verrückten Menschen im positiven Sinne Spaß zu haben und sich nicht nur zu wünschen, wie dieser oder jener Charakter zu sein, sondern es auch tun.

 

2. Was macht dir beim cosplayen besonders Spaß und was nervt dich?

 

Ich habe lange nachgedacht, was mir beim Cosplayen am meisten Spaß macht, und bin irgendwie zu keinem genauen Ergebnis gekommen. Weil es einfach so viele Dinge gibt, die mir daran Spaß machen, dass ich mich nicht festlegen kann. Ob es die Vorüberlegungen sind, wie ich etwas bastle, baue oder nähe, was ich alles brauche und wie ich am besten vorgehe, oder ob es das Reden mit meinen Freunden darüber ist – wie weit sie mit ihren Cosplays sind und was sie gerade geschafft haben oder wo es manchmal auch Probleme gibt, bei denen man gemeinsam zu einer Lösung kommt. Der Entstehungsprozess eines Cosplays ist für mich eines der reizvollsten Dinge. Zu sehen, wie quasi aus dem Nichts etwas entsteht und sich nach und nach zusammenfügt. Was man dann natürlich auch präsentieren möchte und einfach stolz auf sich sein kann, was man geschafft hat. Auf sich selbst stolz sein zu können, ist etwas, was meiner Meinung nach heutzutage vielen Menschen sehr schwer fällt. Cosplay ist etwas, das einem dabei hilft, sich bewusst zu werden, was man eigentlich vollbringen kann.
Was mich hingegen besonders nervt, ist, wenn ich wieder irgendetwas Zuhause vergessen habe. Ich bin Wochenendpendler, das heißt ich verbleibe unter der Woche an meinem Arbeitsplatz und muss mir dementsprechend am Wochenende immer überlegen, was ich die kommende Woche basteln oder nähen möchte und mir eben das Material dazu einpacken. Zudem muss ich dann das, was andere unter der Woche machen können, am Wochenende nachholen (Haushalt etc.). Und wenn dann etwas fehlt, sind es oftmals essentielle Dinge, zum Beispiel Näh- oder Stecknadeln x“D Da ist dann Kreativität vor Ort gefragt.

 

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3. Games, Animes, Filme und Serien bieten so viele wunderschöne Charaktere, die man als Cosplay umsetzen kann. Gibt es eines dieser Medien, das du bevorzugst? Und warum?

 

Meine überwiegenden Medien, aus denen ich mir meine Cosplaywünsche hole, sind Videospiele und Animes. Wenn ich die Zeit dazu habe, zocke ich einfach für mein Leben gern, am liebsten RPGs. Die Charaktere und die Geschichten dahinter sind oftmals so fesselnd und tiefgründig, dass sie einen auch lange nach dem Spielen einfach nicht mehr loslassen. Während ich dann an einem Cosplay arbeite, lasse ich nebenher gern Animes laufen, wo sich dann wieder neue Charaktere und neue Geschichten offenbaren, die dann wieder umgesetzt werden wollen. Ein Teufelskreis xD

 

4. Welcher Aspekt macht deiner Meinung nach ein gutes Cosplay aus? Und welcher ist dir beim Cosplayen besonders wichtig?

 

Für mich machen zwei Punkte ein gutes Cosplay aus. Erstens, die Schuhe! xD Nicht, weil ich so schuhverliebt bin, im Gegenteil. An den Schuhen sieht man oftmals, wie sehr sich der Cosplayer mit seinem Cosplay Mühe gegeben hat und wie wichtig es ihm ist, denn von den Schuhen kann man häufig auch auf die restlichen Details eines Cosplays schließen. Ich rede nicht von Menschen, denen es aufgrund ihrer Mittel oder Zeit nicht möglich war, sich nach passenden Schuhen umzuschauen oder Details anzubringen, sondern von den Cosplayern, denen es egal ist oder die keine Lust hatten. Diese Einstellung habe ich schon oft gehört „Ach, die Schuhe sind doch egal, da guckt doch eh keiner hin. Die fotografieren doch eh alle nur bis zur Hüfte!“ und wenn ich dann ein total genial genähtes Assassin’s-Creed-Cosplay sehe und der-(oder die-)jenige nur Turnschuhe dazu trägt, geht das für mich gar nicht. Das heißt auch wieder nicht, dass das Cosplay dazu wie von einem Profi aussehen muss, sondern um die Grundeinstellung „Wie gut möchte ich diesen Charakter umsetzen?“. Denn da zeigt sich die Liebe und die Hingabe zu dem Hobby in meinen Augen. Aber wie gesagt, meine Kritik geht nur an die Leute, die keine Lust dafür zeigen oder äußern.
Der andere Punkt, der ein Cosplay für mich zu einem guten Cosplay macht, ist die charakterliche Umsetzung. Cosplayen heißt, in andere Rollen zu schlüpfen und sich in den Charakter hinein zu versetzen. Wenn dann die ultimativ böseste Kriegerin, die jemals auf diesem Erdball wandelte, aber unschuldig lächelt wie das Mädchen von nebenan, sind das zwei Dinge, die einfach nicht zusammen passen und da kann das Cosplay noch so gut gearbeitet sein (und die Schuhe stimmen xD), aber dann hat für mich jemand den Charakter nicht verstanden.

 

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5. Was war bisher deine größte Herausforderung der du dich stellen musstest? Hast du diese Herausforderung gemeistert?

 

Jedes neue Cosplay, das ich mir vornehme, birgt irgendwo eine andere Herausforderung. Ein anderes Schnittmuster, eine komplizierte Wig, kleine Details wie Stickereien oder Accessoires, und vor jedem Cosplay habe ich neuen Respekt. Ich glaube aber, den Größten hatte ich bisher vor Axel aus Kingdom Hearts. So sehr, wie ich ihn unbedingt cosplayen wollte, so sehr hatte ich aber auch Angst davor xD Und in meinen Augen habe ich diese Herausforderung nicht meistern können. Er sollte der erste Mann werden, den ich cosplaye, und der Abbinder, den ich mir geholt habe, war nicht straff genug. Auch nachdem ich noch eine weitere Hakenreihe hinzugefügt habe, ließen sich immer noch Brüste unter dem Mantel erkennen, die man nicht als durchtrainierten Oberkörper ausgeben konnte. Der Mantel war auch das nächste Problem, den habe ich mir nämlich anfertigen lassen und er kam einfach mal mit kolossal zu kurzen Ärmeln an. Um das noch zu beheben, reichte meine Zeit hingegen vorn und hinten nicht raus. Axel wollte ich zur Connichi im September tragen und bereits im Mai habe ich mich seine Chakrams gesetzt. Ich habe mir Tutorial um Tutorial aus dem Internet gezogen und versucht sie umzusetzen, aber nichts wollte funktionieren und das verschlang gleichermaßen Zeit und Geld. Nebenbei hatte ich noch meinen Umzug zu organisieren und zu bewerkstelligen. Am Tag der Connichi wollte dann das Make-up auch nicht so wie ich das wollte und alles in allem war eigentlich nur die Wig gut, die ich mir wohlweißlich auch habe anfertigen lassen. Nichtsdestotrotz hatte ich an diesem Tag eine Menge Spaß und habe mir die Laune nicht verderben lassen und ich werde Axel auf jeden Fall noch einmal in Angriff nehmen – mit neuen Chakrams, neuem Abbinder und neuem Mantel!

 

6. Auf welches deiner vielen Kostüme bist du besonders stolz? Und warum?

 

Das ist ganz klar Black Rock Shooter! Auch wenn dieses Cosplay schon viel zu lange her ist und ich damals so viel falsch gemacht habe, ist es bis heute mein absolutes Lieblingscosplay. Ich verbinde so viele schöne Erinnerungen und Zeiten damit, dass es bisher noch nicht getoppt werden konnte.

 

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7. Freizügige Cosplays sind unter manchen Cosplayern verpönt und werden oft „kritisiert“. Wie denkst du über das Thema?

 

Ich habe absolut nichts gegen freizügige Cosplays, ich mag sie selbst sehr. Ich kann zwar einige Argumente nachvollziehen, z.B. dass einige Cosplays doch SEHR freizügig sind und oft auch viele Kinder auf den Conventions unterwegs sind. Auf der anderen Seite klingt das aber auch sehr höhnisch, wenn dann im Nachmittagsprogramm Werbung von Eis.de, Durex oder Amorelie läuft. In erster Linie ist die Freizügigkeit des Cosplays eine Sache des Cosplayers, die er mit sich selbst ausmachen muss, also es ist eine persönliche Sache. Man muss, bzw. sollte sich selbst darüber im Klaren, welche Wirkung manche Cosplays nach außen haben und dementsprechend auch mit Kritik und Reaktionen umgehen können.

 

8. Reizen dich bestimmte Anfertigungsprozesse (nähen, basteln, Perücken stylen etc.) mehr als andere? Wenn ja, auf welchen Prozess freust du dich am meisten?

 

Früher habe ich mich mehr auf die Bastelarbeiten gefreut, die sich allerdings meist in Grenzen hielten. Denn bis vor 3 Jahren habe ich alles mit der Hand genäht! Seitdem ich meine Nähmaschine habe, hat sich das irgendwie umgekehrt. xD Nein, also bei jedem Cosplay ist es immer ein bisschen anders, bei dem einen freue ich mich mehr auf das Nähen, bei dem anderen mehr auf das Basteln, aber gleich gern habe ich immer das Bemalen. Wenn es etwas zum Bemalen gibt, das war bisher auch eher rar, aber das habe ich vor zu ändern, wenn ich in Zukunft mehr mit Worblas Finest Art arbeite.

 

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9. Du cosplayst ja schon eine Weile. Hast du je mit dem Gedanken gespielt aufzuhören?

 

Ehrlich gesagt hatte ich diesen Gedanken mehr als einmal. Ich hatte früher oft das Gefühl, unzureichend zu sein und als Anfänger sahen meine Cosplays auch dementsprechend aus. Ich habe mich gefragt, warum ich mir das überhaupt antue – den ganzen Stress im Vorfeld, das ganze Geld, das man ausgibt, die Frustration, wenn etwas nicht funktioniert und das alles nur für einen Tag, an dem die Hälfte auch noch schief geht und an dem man doch eh nicht be- oder geachtet wird. Ich bin kürzer getreten, habe glaub ich ein Jahr sogar gar nichts gemacht und habe dabei gemerkt, dass mir etwas unwahrscheinlich fehlt. Heute kann ich mir mein Leben ohne Cosplay nicht mehr vorstellen! Einfach auf der Couch sitzen und fernsehen kann ich nicht, ich muss immer irgendetwas nebenbei zu tun haben. Im Laufe der Zeit habe ich mir mein eigenes Lebensmotto entwickelt: „Nutze die Talente, die du hast. Die Wälder wären ziemlich still, würden nur die begabtesten Vögel singen.“ Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin und dass ich es nie sein werde, so sehr ich es mir auch wünsche, aber dieser Spruch hat mir oft geholfen, mich selbst so zu nehmen und zu akzeptieren wie ich bin und auf meine geleistete Arbeit stolz zu sein, denn das ist Meine Arbeit und nicht die eines anderen.

 

10. Cosplay wird von Außenstehenden oftmals als Realitätsflucht betrachtet. Wie denkst du darüber?

 

Dass das genauso lächerlich ist, wie die Aussage, dass all Amokläufer und Terrorristen mit „Killerspielen“ ihre Anschläge geübt haben. Diejenigen, die Cosplay als Realitätsverlust bezeichnen, sind meistens die, die sich mit dem Hobby nicht ein einziges Mal auseinander gesetzt haben. Denn um dieses Hobby ausüben zu können, kommt man um die harte Realität nicht herum, um solche „Unwichtigkeiten“ wie „Geld“ und „Wie komme ich eigentlich da hin?“ Cosplay ist vielmehr als sich nur ein Halloweenkostüm überzuwerfen und wenn man diejenigen fragt, wo für sie denn der Unterschied zwischen einem Cosplay und einem Faschingskostüm ist, können sie einem nicht mal eine Antwort darauf geben. Dass das für uns alles wahr gewordene Träume sind, können sie nicht verstehen. Menschen gehen in Fitnessstudios, töpfern oder sammeln Dinge, um ihrem Alltag für ein paar Stunden entkommen und abschalten zu können und Cosplayer arbeiten an ihren Cosplays, für mich besteht da kein Unterschied.

 

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11. Gibt es ein Cosplay, wo du dich noch nicht ran gewagt hast und warum?

 

Es gibt zwei verschiedene „Arten“ von Cosplays, die ich noch nicht gewagt habe. Zum einen sind das komplette Rüstungscosplays. Ich habe zwar schon einmal einen Versuch dessen unternommen, bin aber kläglich daran gescheitert. Ich wollte meinen Blade aus dem MMORPG Flyff cosplayen und habe mir in den Kopf gesetzt, dieses Cosplay ohne Worbla zu machen, weil ich damals einfach nicht über die finanziellen Mittel und schon gar nicht über das Können verfügt habe, und habe mir dann mit dicken Filzplatten als Rüstungsteile geholfen. xD Mittlerweile habe ich etwas mehr Erfahrung mit Worbla und ein Vollrüstungscosplay scheint nicht mehr ganz sooo abwegig, dann wird auch der Blade noch einmal neu umgesetzt.
Eine andere Herausforderung, weil aus einem Blickwinkel, sind Witcher-Cosplays. Mit dem zweiten Teil der Spiele-Reihe hat CD-Projekt einen gewaltigen Sprung nach Vorn in Richtung mittelalterlicher Authentizität gemacht. Natürlich ist The Witcher immer noch im Fantasy-Genre, aber vom ersten zum zweiten Teil ist gerade die Kleidung ein Unterschied wie Tag und Nacht. Aufgrund meines zweiten zeitaufwändigen, rechercheintensiven und teuren Hobbys Reenactment hätte ich gerade bei den Witcher-Charakteren das Bedürfnis, sie authentisch und „echt“ umzusetzen. Also keine Rüstungen aus Worblas oder Schwerter aus Holz, sondern Stahl. Keine Unterhemden aus Allroundstoff für 1,99 €/qm, sondern wattierte Gambesons oder Rüstdublets und Naturleinen.

 

12. Und kommen wir zur letzten Frage: Was würdest du dir als Cosplayer von der Community wünschen?

 

Natürlich würde ich mir mehr Zusammenhalt innerhalb unserer Hobbygemeinschaft wünschen, mehr Freundlichkeit, Höflichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme. Aber da das sehr hoch gegriffene Wünsche sind, wäre ich froh, wenn mehr Leute sich einfach die Devise „Leben und leben lassen“ annehmen würden. Ich habe den Eindruck, dass die Community solange wie ich dieses Hobby betreibe, egoistischer und feindseliger geworden ist. Wo sich früher noch zwei, drei oder vier Sakuras aus Naruto in die Arme gelaufen sind, weil es noch andere Cosplayer aus ihrer Lieblingsserie gab, wird heute umeinander ein großer Bogen gemacht, weil jeder der einzige Cosplayer dieses Charakters oder zumindest der bessere sein möchte. Als vereinfachtes Beispiel. Diese Entwicklung finde ich sehr schade.

 

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