Interview mit Inulein

Geschrieben am 08.03.2016 von Nina in Cosplayer Interviews

Die hübsche Inulein ist nicht nur eine fantastische Cosplayerin, sondern setzt sich ehrenamtlich für die Community ein! Das finden wir natürlich große klasse und haben mit ihr über Wettbewerbe und Cosplaytreffen gesprochen.

 

1. Um warm zu werden starten wir mit der beliebten Einsteigerfrage: Wie bist du auf Cosplay aufmerksam geworden und wie lange übst du dieses kreative Hobby schon aus?

 

Das erste Mal in Berührung mit dem Hobby Cosplay kam ich so um 2002 durch die AnimaniA. Internet war noch recht neu und ich durfte es noch nicht nutzen, also waren Printmedien meine einzige Informationsquelle. Die AnimaniA hatte einen Bericht über ihre Animagic gedruckt, in denen auch Bildern von Cosplayern war. Für mich stand schnell fest: Ich möchte auch auf die AnimagiC und ich möchte auch cosplayen! Meine Freunde und ich hatten aber nicht so ganz verstanden, was Cosplay nun genau ist und erschienen zur AnimagiC 2003 als japanische Schulmädchen. Alle hielten uns für die Mädchenband t.A.T.u.!!! Im Nachhinein ganz schön peinlich! *lacht*
 
 

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2. Was macht dir beim cosplayen besonders Spaß und was nervt dich?

 

Perücken stylen nervt mich! Da habe ich oft zwei linke Hände. Aber Gott sei Dank habe ich Freunde die darin echt gut sind! Mir macht nähen und alles was damit zu tun hat besonders viel Spaß. Basteln und malen kann auch richtig toll sein. Aber auch das Stoffe und Materialien shoppen hat seinen Reiz… eigentlich macht mir fast alles an dem Hobby Spaß, deswegen mache ich das wohl auch schon so lange ;D
 
 

3. Du bist schon länger in der Szene aktiv, findest du die Cosplayszene hat sich verändert im Vergleich zu damals?

 

Definitiv! Damals als ich angefangen habe war alles etwas improvisierter, aber ich empfand es auch als entspannter. Und die Szene war auch viel kleiner, da kannte man wirklich jeden Zweiten. Neben der Cosplayszene und den Zeichnern gab es auch noch viel mehr Visus und Kellernerds. Die vermisse ich mittlerweile etwas auf den Conventions. Ich schätze aber manches an den Änderungen die sich seit dem ergeben haben. So viele verschiedene Materialien und Informationen wie man diese benutzt, als ich angefangen habe gab es das alles nicht, nicht so in der Form! Das ist total toll und aufregend! Und viele Cosplayer sind so motiviert und inspirierend, da werden unglaubliche Arbeiten angefertigt. Das macht richtig Spaß zuzusehen! Manchmal mache ich mir aber auch etwas Sorgen, denn viele Achten nicht gut genug auf ihre Gesundheit. Egal ob es um zu alte Kontaktlinsen geht oder um fehlende Schutzkleidung beim Arbeiten mit Styropor und anderen giftigen Materialen… passt besser auf euch auf!

 

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4. Wie ist deine Einstellung zum Thema gute und schlechte Cosplays. Machst du da Unterschiede?

 

Ich liebe es mir gute Arbeiten anzusehen! Ein guter Schnitt, ordentliche Ziernähte, schöne Spitze, saubere Applikationen und Bastelarbeiten, tolle Stoffe oder einfach eine besonders kreative Problemlösung– da geht mir das Herz auf! Wenn etwas nicht so sauber verarbeitet ist, man das aber leicht verbessern könnte, dann wünsche ich jedem die Motivation sich weiterzuentwickeln – es ist oft gar nicht so schwer. Ich selbst habe aber auch noch viel zu tun und zu verbessern, Luft nach oben ist immer reichlich! Aber am Ende kommt es bei dem Einzelnen auf den Spaß an und das man mit sich selbst zufrieden ist. Euch da draußen kann es ja egal sein, ob ich Spaß dabei habe euch anzugucken ;D
 
 

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5. Welche Aspekte machen deiner Meinung nach ein gutes Cosplay aus?

 

Das man selbst mit sich zufrieden ist und Spaß in und an seinem Kostüm hat. Das hat man gleich eine ganz andere Ausstrahlung und das macht viel aus!
Wenn ich ein Cosplay betrachte, dann ist mir darüber hinaus oft wichtig dass alles stimmig ist! Perücke, Make-up, Schnitt, Stoffwahl, Be- und Verarbeitung… das sollte ein abgerundetes Gesamtbild ergeben! Und wenn dann auch noch die Details stimmen…. uaaah, so gut!

 

6. Du veranstaltest ehrenamtlich ein Cosplaytreffen in Hannover. Wie kam es dazu, das du dieses Treffen ins Leben gerufen hast? Und was unterscheidet das Treffen von anderen?

 

Ich habe mehrere Jahre, bis der Laden dann schließen musste, bei „Comics am Steintor“ in Hannover gearbeitet. Dort haben wir einmal im Jahr einen Cosplaywettbewerb veranstaltet. Das war immer mein persönliches Highlight und ich habe mir oft gewünscht, dass wir den Platz hätten für ein monatliches Treffen. Ein paar Jahre später engagierte ich mich dann in einem Kulturprogramm Namens „Hiroshima-Salon“, welches das Ziel hat die Partnerschaft von Hannover und Hiroshima zu stärken. Im Rahmen einer unserer Veranstaltungen fragte mich der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Japanischen Freundschaftskreises Hannover-Hiroshima-Yukokai e.V. ob ich nicht Lust hätte ein Treffen für Cosplayer zu organisieren. Sein Verein hätte schon ein breites Angebot für junge Menschen, aber das würde noch fehlen. Einen Monat später gab es das erste Treffen!
Das Besondere ist denke ich, dass es ein Treffen ist das durch einen regionalen Verein veranstaltet wird dessen Schwerpunkte nicht viel mit Anime und Manga zu tun haben. Die Interessen des Vereins, japanische Kultur und der Austausch zwischen Hannover und Hiroshima, beeinflusst auch die Gestaltung unseres Treffs. Wir haben einen festen Raum, wir haben immer einen Workshop Teil, wir treffen uns nicht im Kostüm und es gibt Tee und Süßes. Mittlerweile gibt es den Treff schon 2 ½ Jahre! Danke auch an euch von myCostumes, das ihr uns für den ein oder anderen Workshop Materialien gesponsert habt! Das waren immer ganz besondere Termine an denen wir allen viel lernen konnten!

 

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7. Kommen wir zu den handwerklichen Themen: Auf welches Hilfsmittel greifst du immer zurück bei einer großen Nähaktion?

 

Meine Nähmaschine, meine Overlock und mein Auftrenner! Neben Steck- und Nähnadeln braucht es da oft gar nicht so viel mehr. Ach ja, und mein Hund als Stoffbeschwerer ;3

 
 
8. Gibt es spezielle Techniken und/oder Materialien die du im Bereich Cosplay gerne einmal ausprobieren möchtest?

 

Teure, edle Stoffe. Das wär’s. Sich einfach mal feine Spitze oder tolle Seide leisten können. Hngh! Und eine Stickmaschine, so eine hätte ich auch gerne! Das Problem beim Cosplay ist, es gibt immer ein neues tolles Gadget oder aufregendes Produkt das man haben möchte- es nimmt nie ein Ende!

 

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9. Wie lange sitzt du durchschnittlich an einem Kostüm? Und auf welchen Part der Kostümherstellung freust du dich am meisten?

 

Das kann man gar nicht so sagen, manchmal nur 1~2 Tage, manchmal mehrere Wochen. Am meisten mag ich das zusammennähen, wenn man immer mehr sieht dass das Kostüm Gestalt annimmt. Das gibt einem einfach ein gutes Gefühl. Danach kommt für mich die letzten Schritte; Fäden abschneiden, ein paar Handstiche und Knöpfe annähen. Da fasst man alles nochmal an und sieht was man geschafft hat.
 
 

10. Gibt es ein Cosplay, wo du dich noch nicht ran gewagt hast. Wenn ja, warum? Was schreckt dich ab?

 

Ja, eins! Ich möchte gerne aus Otome Youkai Zakuro cosplayen. Der Kimono hat ein sehr schönes Asanoha Muster, welches mich sehr anspricht. Entweder muss ich das per Hand malen oder Stoff bedrucken lassen. Bedrucken lassen kostest so viel Geld, per Hand ist eine Schweinearbeit. Um die Entscheidung wie ich es nun machen möchte drücke ich mich seit zwei Jahren! **lacht** Eigentlich unglaublich….

 

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11. Nun eine etwas persönlichere Frage: Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt aufzuhören Wenn ja, was hat dich dazu ermutigt am Ball zu bleiben?

 

Nein, nie. Wenn ich weniger Lust habe mache ich weniger, wenn ich mehr Lust habe mehr. Für mich war das nie so ein „Ganz oder gar nicht“ Ding. Aber ich denke im Vergleich zu manch anderen bin ich eh sehr entspannt meinem Hobby gegenüber (auch wenn ich manchmal sehr penibel sein kann).

 

12. Du warst schon öfters Teil der DCM-Jury. Was macht deiner Meinung nach einen guten Auftritt aus?

 

Das ich ihn verstehe! Egal wie viel Vorwissen jemand hat, jeder sollte am Ende das Gefühl haben den Auftritt (zumindest emotional) verstanden zu haben. Gute Körperspannung. Dann wirkt alles schön aufregend und dynamisch. Guter Ton. Dann versteht das Publikum auch wirklich was gesagt wird und man kann sich richtig auf das konzentrieren was auf der Bühne passiert. Hat man das alles, kann es in der Regel nicht mehr schief gehen 😉

 

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13. Welche Tipps würdest du Cosplayern mit auf den Weg geben, die gerne das erste Mal an der DCM teilnehmen möchten?

 

Seid entspannt und setzt euch selbst nicht so unter Druck! Die Jury und die Helfer sind alles süße Menschen. Macht etwas, woran ihr Spaß habt, nicht etwas, bei dem ihr denkt dass das „total typisch DCM“ ist. Sagt der Jury nicht was ihr falsch gemacht habt. Mit etwas Glück sehen wir das in der kurzen Zeit gar nicht 😉 Und achtet vor allem darauf, dass ihr euch an eure Vorlage haltet! Anhand der Vorlage werdet ihr schließlich Bewertet.

 

14. Du selbst standest auch schon ein paar Mal auf der Bühne und hast auch schon am Vorentscheid für das WCS teilgenommen. Bist du aufgeregt auf der Bühne oder genießt du das Rampenlicht und Schauspiel im Cosplay?

 

Ich bin furchtbar aufgeregt und sterbe mehrere Tode. Ich bin der Horror für meine Cosplaypartner. Aber irgendwie macht es doch Spaß und ist das Leiden vor dem Auftritt wert. Denke ich… **lacht**

 

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15. Und nun die letzte Frage: Was ist dein Traumcosplay und wirst du es irgendwann realisieren?

 

Das ändert sich monatlich. Ich bin da leider nicht sehr wankelmütig! **lacht** Astrid Hofferson war eines meiner Traumcosplays, sie hab ich immerhin auch umgesetzt während sie auch noch auf der Nummer eins meiner Wunschliste war! Das war ein tolles Gefühl!

 

Wenn ihr mehr von Inulein sehen möchtet, dann schaut unbedingt auf ihrer Seite vorbei!