Interview mit Lenora

Geschrieben am 10.03.2017 von Nina in Cosplayer Interviews

Lenora hat bisher an einigen beeindruckenden und namenhaften Projekten mitgewirkt. Das machte die Zusammenarbeit mit ihr umso spannender. Ihre handwerklichen Skins sind der Wahnsinn. Und ihr Auftreten sehr professionell. Und so ist es auch mit der Patenschaft. Wie Lenora die Patenschaft empfindet, was für spannende Projekte sie verwirklicht hat, erfahrt ihr hier:

 

 

1. Warum hast du dich für die myCostumes-Patenschaft beworben und was hast du dir von diesem Projekt erhofft?

 

Für mich ist es oft sehr schwer Zeit und Möglichkeiten für eigene Projekte zu finden.Ich finde das breite Angebot an Materialien einfach wunderbar und hatte gehofft endlich mal ein paar Dinge ausprobieren zu können. Außerdem ist Sabrina (Monono Cosplay) schuld, die mich dazu motiviert hat. Ohne sie, hätte ich mich das niemals getraut!

 

2. Was war das erste Projekt was du im Rahmen der Patenschaft angegangen bist?

 

Ich habe als erstes – eigntlich ziemlich gleichzeitig – an meiner mandalorianischen Kopfgeldjägerin und meiner Umsetzung von Yennefer von Vengerberg gearbeitet. Beides sehr unterschiedliche Projekte, die sehr lange auf meiner Wunschliste standen.

 

 

3. Durch die Patenschaft hattest du die Gelegenheit ein paar unserer Produkte auszutesten. Konntest du dich für ein Produkt besonders begeistern?

 

Ich glaube da kann ich mich gar nicht entscheiden! bin großer Fan der Worbla-Produkte und der Wachsfarben. Da will ich unbedingt viel mehr mit arbeiten! Außerdem haben mir die Perücken und Kontaktlinsen sehr gut gefallen. Vorher hatte ich so viele Fehlkäufe, aber eure Produkte waren einfach perfekt! Auch von der Qualität des Kunstfells war ich sehr begeistert und freue mich noch auf das Projekt, wo sie zum Einsatz kommen.

 

4. Welches Cosplay möchtest du im Rahmen der Patenschaft noch unbedingt angehen?

Da meine Zeit immer so unglaublich knapp ist, habe ich tatsächlich noch ein paar Projekte, die ich gern abschließen möchte. Eine eigene Lady Loki Version mit Rüstungsteilen und großem Fellmantel stehen noch auf dem Plan! Aber auch so Dinge die eine Poison Ivy Version und Edea aus FF XIII sind auf meiner Liste nach vorn gerutscht.

 

 

5. In welchen Bereichen konntest du dich im Rahmen der Patenschaft weiter entwickeln?

 

In jedem Fall in der Arbeit mit Worbla! Ich habe das vorher nie versucht und bin froh endlich die Chance gehabt zu haben. Außerdem habe ich mich sehr im Bereich Styling und Make-up weiter entwickeln können, also im Umgang mit Perücken bin ich viel sicherer geworden. Und ich habe es endlich geschafft mir Wimpern anzukleben :o)

 

6. Sprechen wir doch mehr über Cosplay. Gibt es Aspekte auf die du während der Anfertigung eines Kostüms besonders viel wert legst?

 

Puh, da bin ich generell glaube ich ein ziemlicher Perfektionist. Ich finde es unglaublich wichtig, dass meine Arbeiten funktionieren und belastbar sind, sie müssen allen Anforderungen stand halten. Zum Beispiel allein durch qualitativ hochwertige Materialien und eine sorgfältige Verarbeitung.
Ich finde es sehr wichtig selbstkritisch zu sein und mit jedem Projekt eigene Grenzen zu überwinden. So kann man sich immer weiter entwickeln.

 

 

7. Du hast eine professionelle Ausbildung als Designerin und besitzt sogar dein eigenes Label. Entstand dieser Wunsch aus dem Hobby Larp und Cosplay heraus? Oder wolltest du von Kind auf an unter die kreativen Berufler gehen?

 

Den Wunsch in der Kreativbranche und speziell mit Bekleidung zu arbeiten hatte ich tatsächlich schon im Kindesalter. Ich habe da sehr viel Zeit, Herzblut und Energie investiert um mir diesen wunsch zu erfüllen und ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich jetzt endlich den letzten Schritt getan habe. LARP und Cosplay kamen dann auf meinem Weg irgendwann dazu und haben einfach perfekt zu meinen Interessen gepasst. Diese Hobbys sind für mich die perfekte Möglichkeit meine Leidenschaft auch privat auszuleben und ich könnte mir mein Leben ohne sie einfach gar nicht vorstellen. Es ist einfach noch so viel schöner, wenn man seine Passion mit anderen teilen kann.

 

8. Inzwischen hast du den großen Schritt gewagt dich selbstständig zu machen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Und was glaubst du ist das Erfolgsrezept bei dem Traum „Hobby zum Beruf“?

 

Wie zuvor gesagt, war es bei mir eher anders herum: Ich hatte das Glück, dass meine Hobbys super zu meinem Beruf passen und sind ein ganz wichtiger Teil meines Schaffens. Ich finde es wunderbar, dass ich die Möglichkeit habe mich beruflich und auch privat ganz und gar selbst zu verwirklichen.
Das Ziel mein eigenes Label zu gründen stand dabei von Anfang an und war ein ziemlich langer Weg. Ich glaube ganz wichtig dabei ist zu realisieren, dass ein Beruf – gerade als Selbstständiger – viel mehr Verantwortung, Arbeit und Einsatz erfordert, als der Hobbybereich. Da geht es um die eigene Existenz, man geht an Projekte ganz anders heran, arbeitet unter Druck und kann sich nicht aussuchen, wann man Lust auf etwas hat. Man muss stets professionell und konzentriert arbeiten, wobei der Spaß daran natürlich ein dicker Pluspunkt, aber nicht die Grundlage ist. Fleiß, Durchhaltevermögen, eine gute Organisation und Professionalität gehören da auf jeden Fall dazu. Ich habe auch erst mein komplettes Modedesignstudium abgeschlossen und wollte ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln, bis ich bereit war diesen Schritt zu tun und der Meinung war, dass es ein realistischer Zeitpunkt war. Vielleicht habe ich auch zu lang gewartet, aber ich bin einfach ein Planungsmensch.

 

 

9. Mit deinen tollen Werken hast du bereits bei epischen Projekten mitgewirkt. Welches dieser Projekte hat dir persönlich die meiste Freude bereitet?

 

Ohhh das ist so schwer! Ich stecke in jedes meiner Projekte immer so viel Herzblut und jedes einzelne bedeutet mir auf seine Weise etwas. Aber es gibt schon so ein paar Dinge, zu denen ich eine ganz besondere Bindung habe. Eines war auf jeden Fall der „Darth Maul Apprentice“ Fanfilm von Shawn Bu, zu dem ich einige Kostüme fertigen durfte. Star Wars hat mich seit der frühen Kindheit begleitet und defintiv einen großen Grundstein für mein Interesse am Fantastischen gelegt. Das war eine Herzensangelegenheit!
Ganz aktuell war die Anfertigung des offiziellen Samurai-Kostüms für das Final Fantasy Fanfest mit Defcon Unlimited auch ein sehr spannendes Projekt. Es war definitiv einer meiner intensivsten Momente im Leben das Kostüm getragen von Naoki Yoshida auf der Bühne zu sehen! Das Vertrauen, das uns entgegen gebracht wurde, und die Begeisterung für unsere Arbeit rühren mich immer noch zu Tränen!

 

10. Du treibst dich ja nicht nur in Fantasy Kostümen auf Conventions und Messen rum, sondern trägst auch Cosplay. Welche dieser Kostümierungen sagt dir mehr zu, und warum?

 

Ich mag eigentlich keines davon lieber als das andere. Alle beiden Richtungen haben ihren ganz eigenen Reiz für mich!
Im Cosplay liebe ich es meistens eigene Versionen und Interpretationen umzusetzen. Ich finde es es einfach super spannend mir selbst Gedanken dazu zu machen, wie ich mir einen Charakter vorstelle oder wie ich ihn gestalten würde. Wenn ich ein Design so schon sehr gut finde, dann reizt es mich auch, dieses möglichst realistisch umzusetzen (z.B. Yennefer oder dann Edea). Aber mein Schwerpunkt bleibt einfach das Design und da ist die Wunschliste vielleicht ein bisschen länger. :o)

 

 

11. Jetzt mal ganz ehrlich und Hand aufs Herz: Du konntest Larper und Cosplayer erleben. Inwiefern unterscheiden sich beide Szenen? Beide Seiten lieben es in andere Rollen zu schlüpfen, wollen aber nicht in einen Topf geworfen werden. Wie nimmst du die Communitys wahr?

 

Ich finde beide haben eigentlich viel mehr gemeinsam, als sie zugeben wollen – im Positiven wie auch im Negativen. Beide lieben es Charaktere möglichst detailreich umzusetzen und zum Leben zu erwecken, in andere Rollen zu schlüpfen. Ich persönlich empfinde LARP sogar eher als Form des Cosplays, denn im Endeffekt ist es auch ein „Costume Play“, nur mit anderer Intention.
Nur die Zielausrichtung ist verschieden: Beim Cosplay geht es um die Präsentation, die möglichst genaue Umsetzung der bestehenden Rolle (z.B. wie Bühnenkostüme), beim LARP steht das Schauspiel mit einer eigenen Rolle, das tatsächliche Abtauchen in eine andere Welt mehr im Vordergrund und die Kostüme sollten im besten Fall outdoor-tauglich sein, sind also vom Konzept her etwas anders aufgebaut.
Im Endeffekt würde ich mir aber wünschen, das beide Nischen etwas mehr zusammen rücken, denn ich glaube, dass sie voneinander viel lernen und sich bereichern könnten.

 

12. Welches Event besuchst du am liebsten? Und warum?

 

Ich bin eigentlich gar kein Fan von großen Menschenmengen, daher mag ich kleine, gemütliche Cons am liebsten. Ich möchte einfach eine tolle Zeit mit lieben Menschen verbringen und Spaß haben. Ich fand die RingCon/ HobbitCon immer toll! Eine super Mischung aus spannenden Vorträgen und familiärem Feeling.

 

 

13. Kommen wir zur letzten Frage: Was würdest du Cosplayern für einen Tipp mit auf den Weg geben, die ihr geliebtes Hobby zum Beruf machen möchten? Auf was für Hindernisse sollte man vorbereitet sein?

 

Generell ist die Selbstständigkeit nicht für jeden die richtige Wahl und man sollte sich damit sehr ernsthaft auseinander setzen. Der Beruf ist kein Hobby und man sollte realistisch einschätzen, ob man seine Existenzgrundlage absichern und unter stetigem Druck arbeiten kann. Hilfreich ist in jedem Fall eine berufliche Ausbildung in den jeweiligen Bereichen und Branchen. Die Kreativität von Cosplayern ist eine tolle Grundlage, aber im professionellen Bereich ist tatsächliche Berufserfahrung wichtig. Außerdem sind Bürokratie, Steuern und Gesetze (bei Cosplay ganz besonders Rechte an Designs/ Urheberrechte) gar nicht so ohne. Lasst euch gut beraten!
Was mir immer sehr schwer fällt ist Arbeit und Freizeit/ Hobby zu trennen. Es ist so wichtig, sich Ruhepausen zu gönnen und auch mal abzuschalten. Der Körper dankt es einem nicht, wenn man 24/7 arbeitet. Damit tut man sich keinen Gefallen und wird sich den eigenen Spaß ziemlich schnell verbauen, wenn man keinen Rückzugsort abseits der Arbeit mehr hat.

 

Danke für das tolle Interview. Wenn ihr mehr von Lenora erfahren möchtet, schaut unbedingt auf ihrer Seite vorbei!