Interview mit Muffintop Cosplay

Geschrieben am 13.07.2016 von Nina in Cosplayer Interviews

Das besonders Tolle an dem Hobby Cosplay ist, das man richtige Freunde fürs Leben finden kann. So haben sich Annka, Chrissi und Lisa gefunden und gehen jetzt seit über 10 Jahren durch dick und dünn. Wir haben mit den drei Mädels über Freundschaft und die Entwicklung in der Cosplayszene gesprochen.

 

Finn, Finn und Access (Kamikaze Kaito Jeanne) - photo by Toni007

 

1. Um warm zu werden starten wir mit der beliebten Einsteigerfrage: Wie seid ihr auf Cosplay aufmerksam geworden und wie lange übt ihr dieses Hobby schon aus?

 

Hallo, erst mal und vielen Dank für das Interview! Bei der Frage müssen wir erst mal überlegen und ganz weit zurückgehen. Tatsächlich kamen Annka und Lisa das erste Mal durch den CosDay in Frankfurt mit dem Thema „Cosplay“ in Berührung. Frei nach dem Motto „Das sieht cool aus, das machen wir auch!“. Das Ganze war 2004, also als der CosDay noch ein kleines Animexx-Treffen war. Da Chrissi nicht aus Frankfurt kommt, ist sie über andere Wege zum Cosplay gekommen – über die Animania um genau zu sein. Das war etwa 2003 oder 2004. Zum ersten Cosplay kam es dann bei uns allen ein Jahr später. Somit konnten wir letztes Jahr unseren zehnten Cosplay-Geburtstag feiern und haben unsere Facebook Seite gegründet.

 

2. 10 Jahre ist schon eine ganze Weile! Was war euer erstes gemeinsames Projekt?

 

Als absolute „Potterheads“, die mit 11 Jahren sehnsüchtig auf die Eulenpost gewartet haben (der Herzschmerz war natürlich unbeschreiblich groß als sie nicht erschien…) musste unser erstes Cosplay natürlich aus Harry Potter sein! Lisa war Ron Weasley, Annka Blaise Zabini und Chrissi als Professor Snape unterwegs, um die beiden im Zaum zu halten. Uns freut es immer riesig, wenn wir nach all den Jahren immer noch Harry-Potter-Cosplayer auf Cons sehen! After all this time – Always.

 

Isaak Fernand von Kämpfer und Dietrich von Lohengrin (Trinity Blood) - photo by FallenLeave

 

3. Damals war es gar nicht so einfach an gute Perücken und Material zu kommen und an Cosplay-Shops war noch gar nicht zu denken. Was war eure erste Anlaufstelle, wenn ihr für eure Cosplays einkaufen wolltet?

 

Damals war so ein Cosplay-Bastelprojekt tatsächlich immer eine riesige Suchaktion. Die Perücken wurden damals schon auf Ebay aus Asien bestellt. Das musste zum einen natürlich über die Accounts der Eltern laufen und (umso wichtiger) sehr sehr zeitig geschehen, damit die Perücken auch rechtzeitig ankamen! Die Qualität war meistens gut – die Farbauswahl eher mau. Für Accessoires gab es immer zwei Möglichkeiten: a) im Bastelshop einkaufen und im Zweifelsfall alles aus Modelliermasse oder Fimo bauen oder b) Die C&As und Co der Welt durchstöbern ob es z.B. irgendwelche Gürtelschnallen gibt, die der Vorlage ähneln. Die neuen thermoplastischen Werkstoffe sind daher Gottes Geschenk an die Cosplay-Welt, denn damals wurde ALLES aus Modelliermasse gebaut – und ist natürlich entweder direkt am Tag vor der Con oder auf der Con gebrochen und zerbröselt…
Annka: Ich habe zusätzlich das Glück, dass mein Vater selbst leidenschaftlicher Bastler ist, so dass ich den ein oder anderen Schatz früher auch mal in seinem Keller finden konnte. Heutzutage kommt er dann aber doch eher zu mir um Materialien abzustauben.

 

4. Einige alte Cosplayhasen schimpfen, dass die Community früher viel besser war. Was denkt ihr darüber? Inwiefern hat sich die Cosplay-Szene verändert?

 

Ob die Community besser oder schlechter geworden ist kann man unseres Erachtens so nicht sagen. Was uns auf jeden Fall auffällt ist, dass das Cosplay-Level extrem gestiegen ist. Früher gab es nur eine Handvoll Cosplayer die auf Cons Kostüme anhatten von denen man wirklich dachte „Bam!!! Das sieht ja mega gut aus!“. Heute gibt es so viele unglaublich tolle Cosplayer mit wirklich aufwendigen Kostümen, sowohl von der Art der Kostüme (bspw. Rüstungen), als auch im Punkto Detailgenauigkeit.
Was außerdem ein großer Unterschied zu damals ist: Es gibt deutlich weniger Visual-Kei und J-Rock-Cosplayer. Das war damals mit Dir~en~grey und Gazette noch ein riesen Ding. Zurzeit sind Rüstungen ein ziemlicher Trend, aber das ist eigentlich das tolle an der Szene: Es gibt immer ein Kommen und Gehen von Cosplay-Themen aber auch immer noch die ganzen Old-School-Cosplays wie Sailor Moon, Pokémon und Co.

 

Sweet Pea (Sucker Punch) - photo by Michael Breidt

 

5. Früher war man richtig kreativ was Materialien anging. Aus einem alten Sieb wurde ein Helm gebastelt, aus Moosgummi und Pappmaché wurden Rüstungen gebaut und vieles mehr. Was war das Verückteste, was ihr für ein Cosplay verwurschtelt habt?

 

Jetzt geht’s los!
Annka: Bei mir spielte ein Eierkarton eine große Rolle als ich mein Link Kostüm aus Zelda gemacht habe. Dieser wurde mit Hilfe von Pappmaché zu der bekannten Okarina umgebaut. Ich konnte darauf zwar nicht spielen, aber man, sie sah halt echt gut aus!
Lisa: Was wirklich Verrücktes verwurschtelt habe ich bisher noch nicht, aber ein verrücktes Erlebnis kann ich euch erzählen. Die Hauptrollen: ofenhärtendes Fimo und mein Backofen. Das passt eigentlich zusammen denkt ihr? Richtig. Das ganze ändert sich aber, wenn das schöne Material anstatt härter zu werden Feuer fängt und eine Stichflamme aus dem Ofen sprießt die sogar die Dunstabzugshaube schwarz werden lässt! xD Und wie es das Schicksal so will, einen Tag vor der Con! Bis heute weiß ich nicht wie das passieren konnte…
Chrissi: So richtig crazy wird es bei mir auch nicht. Wo ich aber wirklich kreativ werden musste war bei meiner Perücke für Captain Jack Sparrow. Ich habe damals das Internet durchforstet, aber wenn ich nicht wie ein Faschings-Rastafari Captain Jack aussehen wollte, musste was anderes her. Ich habe mir also ein Perückennetz für Männer gekauft und ein riesiger Knäul brauner Filzwolle – und dann wurde geknüpft.

 


6. Eine etwas persönlichere Frage: Wie ist es zu eurem Dreier-Gespann gekommen? Kennt ihr euch über Cosplay oder seid ihr gemeinsam zur Schule gegangen?

 

Lisa und Annka haben sich 2002 über eine Brieffreundschaftsanzeige aus der Animania kennengelernt.
Im Nachhinein haben wir uns allerdings gefragt, was wohl der Postbote für Gedanken hatte, als er Briefe an „Finn Fish“ oder „Jeanne D’Arc“ ausliefern musste…
Ein Jahr später folgte das erste persönliche Treffen (natürlich unter Aufsicht von Mama; hätte ja ein Meuchelmörder sein können!) und daraus wurde wie ihr seht eine lange Freundschaft. 🙂
Auch Chrissi und Annka lernten sich über Anime/Manga, bzw. über ein Harry Potter RPG auf Animexx kennen. Das war ebenfalls 2002 und schon kurz danach waren wir beste Freundinnen. Wie ihr merkt spielt Harry Potter eine große Rolle in unserem Leben.
Annka hat dann Chrissi und Lisa einander vorgestellt und unsere Cosplaygruppe war sozusagen geboren! 🙂

 

Rei und Asuka (Neon Genesis Evangelion) - photo by PrincessMedusa

 

7. Cosplayt ihr immer zusammen, oder seid ihr auch mal alleine unterwegs?

 

Wir gehen generell immer zusammen auf Conventions und versuchen uns auch auf Kostüme zu einigen, die wir als Gruppencosplay tragen können. Da sich unsere Interessen ab und zu dann doch mal unterscheiden, machen wir auch mal Einzel- oder Paarcosplays wie es in diesem Jahr bei Zelda – A Link Between Worlds oder Sucker Punch der Fall sein wird. „Stammcon“ ist eigentlich immer die Connichi in Kassel. Früher war es die AnimagiC in Bonn, aber seitdem der Zaun aufgestellt wurde, war es irgendwie nicht mehr das Gleiche. Dennoch werden wir immer ganz nostalgisch wenn wir an die Ani zurückdenken und werden sie für nächstes Jahr mal wieder anpeilen.

 

8. Wenn ihr euch für ein gemeinsames Gruppencosplay entscheidet, seid ihr euch bei der Charakterverteilung immer einig?

 

Es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein und daher passiert es häufig dass sich zwei von uns für das gleiche Kostüm oder den gleichen Charakter interessieren. Allerdings veranstalten wir keine Hungerspiele sondern besprechen uns einfach und konnten uns bis jetzt auch immer auf einen Kompromiss einigen. Wenn es dann doch mal derselbe Charakter sein muss, finden wir fast immer unterschiedliche Versionen dieses Charakters schön. Dadurch entstehen dann Konstellationen wie wir sie z.B. bei Kamikaze Kaito Jeanne hatten und alle sind glücklich.

 

Lulu (Final Fantasy X) - photo by Artflower

 

9. Was war bisher eure größte Herausforderung, der ihr euch stellen musstet? Konntet ihr sie meistern?

 

Lisa: Ich habe mein letztes Kostüm (Astrid Hofferson von HTTYD) völlig ohne jegliche Schnittmustervorgaben geschneidert. Das machte mir anfangs etwas Sorge, da ich eigentlich immer Schnittmuster als Vorgabe verwendet habe, die ich dann bändern konnte, aber im Nachhinein war diese kreative Freiheit ein tolles Erlebnis!
Chrissi: Jedes Kostüm hat immer neue Herausforderungen. Denn natürlich muss das nächste Kostüm immer größer, schöner und detailgenauer sein als das Letzte (ich glaube jeder Cosplayer kennt das). Mir steht dieses Jahr meine größte Herausforderung bevor, da ich das erste Mal in meiner Cosplay-Karriere Stoff selber färben muss – in einem Farbverlauf. Youtube Tutorials ich komme.
Annka: Es gab schon viele Kostüme in meiner Karriere, die mich vor immer wieder neue und völlig unterschiedliche Herausforderungen gestellt haben. Eines war zum Beispiel der „Gürtelrock“ von Lulu aus Final Fantasy X. Der wurde schließlich aus Moosgummi und Kunstleder gewerkelt, aber am Ende war ich echt zufrieden und stolz drauf. Dann war da natürlich die erste Worbla-Rüstung… Oder der Mantel von meinem Sherlock Cosplay. Da scheiterte es fast schon an der Suche nach dem passenden Stoff. Das tollste Gefühl ist wirklich, wenn man diese Herausforderungen dann doch irgendwie meistert und sich am Ende das erste Mal in voller Montur im Spiegel bewundern kann.

 

Rapunzel und Aurora in der "Historically accurate" Version von shoomlah (deviantart) - photo by NoOne Cosplay

 

10. Cosplay setzt sich aus vielen Disziplinen zusammen. Man schneidert, bastelt, stylt Perücken und vieles mehr. In welcher dieser Disziplinen ist eure Stärke?

 

Lisa: Ich arbeite z.Z. gerne an Perücken. Durch die gute Qualität, die man heutzutage bekommt (z.B. bei mycostumes *hust*) macht das stylen und basteln echt viel Spaß. Das Schneidern erachte ich auch nach knapp zehn Jahren immer noch als schwierigste Disziplin. Wenn der Stoff erst mal zerschnitten ist, gibt es kein Zurück mehr!
Chrissi: Ich denke dass meine Stärke im Erstellen von Schnittmustern und Basteleien liegt. Ich besitze eigentlich nur drei richtige Schnittmuster: Eins für ein Kleid, eins für einen Mantel und eins für eine Hose. Daraus habe ich bisher alle Schnittmuster für meine Cosplays erstellt. Am stolzesten bin ich daher auf den Schnitt meines Sweet Pea (Sucker Punch) Cosplays.
Annka: Ich finde es schwer zu sagen wo tatsächlich meine Stärke liegt. Viel Spaß macht mir die Näherei selbst (die Zuschneiderei allerdings weniger…). Am meisten Freude hab ich jedoch bei den kleinen Basteleien und Details die dem Kostüm dann so richtig Leben einhauchen. Deshalb freue ich mich auch besonders auf mein Kostüm von Cersei aus Game of Thrones dieses Jahr, da kann ich mich mal so richtig austoben!

 

11. Arbeitet jeder für sich an seinem Kostüm, oder teilt ihr euch die Arbeiten auf und jeder macht das, was er am besten kann?

 

Natürlich helfen wir uns gegenseitig, aber jeder schneidert, bastelt und stylt seine Kostüme eigenständig. Besonders wichtig ist uns der Austausch bei der Auswahl von Stoffen und Materialien, die wir für die Kostüme verwenden möchten, damit am Ende ein gutes Gesamtbild entstehen kann. Wenn natürlich einer von uns mit seinem Cos schon fertig ist und der Andere noch Nachtschichten schiebt, braucht gar nicht gefragt werden; da legen wir alle mit Hand an.

 

12. Kommen wir zur letzten Frage: Einige sind der Meinung, dass man Cosplay nur bis zu einem gewissen Alter ausüben sollte. Wie denkt ihr darüber? Habt ihr euch auch ein Limit gesetzt oder macht ihr Cosplay so lange, wie es euch Spaß macht?

 

Wie ihr anhand unserer Cosplayseite sehen könnt, haben wir dieses bzw. letztes Jahr beschlossen mit 27/28 Jahren noch einmal richtig durch zu starten!
Es kamen in den letzten Jahren einfach zu viele neue tolle Comic-Verfilmungen, Cartoons, Anime und Manga raus, als dass wir das Hobby Cosplay einfach ganz aus unserem Leben streichen könnten.
Und durch die neuen Materialien wie z.B. Worbla’s Finest Art und Evazote wird einem das Bauen von Schmuck- und Rüstungsteilen einfach extrem vereinfacht.
Außerdem finden wir, dass man das tun sollte, was einem Spaß macht. Klar, vielleicht sollte man sich ab 40 mal überlegen, ob man wirklich noch glaubhaft ein 14-jähriges Magical Girl verkörpern kann 😉

 

 Arielle (Disney) - photo by TheRealXerxes

 

Wer mehr von den drei zauberhaften Damen sehen möchte, kann sehr gerne auf der Facebookseite vorbei schauen!