Interview mit Sadako Cosplay

Geschrieben am 12.01.2016 von Nina in Cosplayer Interviews

Die Cosplaywelt ist nicht immer nur bunt und kawaii, sondern manchmal ernst und schön düster. Sadako mag solche Cosplays und setzt Charaktere wie Joker und Gandalf überzeugend um. Aber sie kann auch anders!
Wir haben mit Sadako über die Guten, sowie auch schlechten Dinge in der Cosplay-Szene gesprochen.

 

Tecna aus Winx ClubFoto von Akina Namashiko

 

1. Wir beginnen wieder mit der typischen Einsteigerfrage: Wie lange übst du das Hobby Cosplay schon aus und wie bist du zu Cosplay gekommen?

 

Angefangen habe ich so 2007/2008. Im Jahr 2007 habe ich meine erste Convention besucht, in einem halb-zivil Cosplay und 2008 kam dann mein erstes richtiges Kostüm. Erfahren habe ich von dem Hobby durch eine alte TV-Show auf RTL II – Pokito TV. Dort lief ein Bericht über das verrückte Hobby Cosplay, alle waren bunt verkleidet und posierten wie meine großen Helden aus den Animes – da beschloss ich, das auch mal zu probieren!

 

2. Du bist ja schon eine ganze Weile aktiv. Findest du die Cosplay-Szene hat sich verändert? Was findest du positiv und was findest du negativ an dieser Veränderung?

 

Definitiv! Ich cosplaye nun fast 10 Jahre, da hat sich eine ganze Menge verändert. Positiv finde ich vor allem die Größe der Community und die damit verbundenen Vorteile und Möglichkeiten. Magst du mal eine seltene Serie? Kein Problem, irgendwo im Land findet sich ein Cosplayer, der sie auch mag. Hast du ein Problem mit einem Kostümteil? Kein Ding, irgendwo auf der Welt hatte ein anderer Cosplayer dasselbe Problem und kann dir helfen. Toll finde ich auch die ganzen neuen Materialien. Zu meiner Anfangszeit wäre sowas wie Worbla undenkbar gewesen – ich erinnere mich noch an mein erstes Cosplay-Accessoire. Ein Mikrofon aus einem alten Filzstift, Alufolie und Stoff.
Negativ finde ich, dass unter all den neuen Möglichkeiten die Kreativität bei vielen leidet. Besonders in Zeiten der Facebook-Gruppen bekomme ich oft mit, dass sich Cosplayer alles vorkauen lassen und nicht selbst nachdenken wie sie etwas machen könnten. Das finde ich sehr schade, da Cosplay ja eigentlich ein sehr kreatives Hobby ist.

 

Alucard aus Hellsing Ultimate - Foto von Chiru

 

3. Welcher Aspekt macht deiner Meinung nach ein gutes Cosplay aus? Und welcher ist dir beim cosplayen besonders wichtig?

 

Posing und Acting, ganz klar! Für mich kann ein Cosplay noch so perfekt gefertigt sein und die Person noch so toll aussehen, wenn sie nicht wie der Charakter rüber kommt, wirkt das Cosplay unvollständig. Für mich ist der Part des CosPLAY besonders wichtig – in character sein, mit anderen Cosplayern agieren und schauspielern. Das finde ich wahnsinnig wichtig, sowohl bei fremden als auch meinen eigenen Kostümen.

 

4. Du hast schon sehr viele unterschiedliche Charaktere umgesetzt. Von niedlichen Winx-Charakteren, bis hin zu Bösewichten wie Joker und alten Männern wie Gandalf. In welche Rolle dieser vielen unterschiedlichen Charaktertypen schlüpfst du am liebsten und warum?

 

Uff, schwere Frage. Also ich schlüpfe generell nur in Charaktere, mit denen ich mich auch wirklich identifizieren kann. Das ist der psychopatische Joker genauso wie die nerdige Technik-Fee Tecna oder der arrogante Billionär Tony Stark. Generell machen mir aber die finsteren Charaktere mehr Spaß. Ich mag es einfach aus der Reihe zu tanzen, gruselig zu sein und meine dunkle, verrückte, beängstigende Seite rauszulassen. Ich fühle mich auch in männlichen oder zumindest burschikosen Rollen viel wohler, als in weiblichen.

 

Merida aus Disneys Brave - Foto von Blur of color

 

5. Was glaubst du ist deine Stärke beim Cosplay?

 

Meine größte Stärke ist wohl meine Knausrigkeit – Mr. Krabs lässt grüßen 😉 Früher als Schüler und auch jetzt in der Ausbildung achte ich auf jeden Cent. Ich bin wirklich gut darin sehr günstig einzukaufen, Material bis zum letzten Millimeter zu nutzen und jedes Farbtöpfchen bis zum letzten Tropfen auszukratzen. Das hat mir schon so manches Cosplay erheblich vergünstigt und ermöglicht, dafür noch ein zusätzliches Kostüm herstellen zu können.

 

6. Kommen wir zu etwas kritischeren Themen im Cosplaybereich. Cosplay ist ein sehr oberflächliches Hobby, das kritisch betrachtet wird, wenn man nicht dem Ideal entspricht. Wie denkst du über das Thema?

 

Leider habt ihr da recht. Das Hobby ist sehr oberflächlich, entspricht man nicht dem Schönheitsideal wird man schief angeschaut oder sogar angefeindet. Ich finde es wirklich sehr schade, auch da ich schon selbst Opfer solcher Anfeindungen war. Klar, alles ist Geschmackssache, Aussehen, Gewicht, Wahl der Stoffe. Aber deswegen sollte man niemanden beleidigen. Ich sage immer: Ja, sie darf mit 150kg im Bikini-Cosplay rumlaufen, aber es muss mir nicht gefallen. Genauso muss es auch keinem gefallen, wenn ich das tue. ABER ich muss nicht zu der Dame im Bikini gehen und ihr das ins Gesicht sagen. Sie hat nicht nach meiner Meinung gefragt, also halte ich meine Klappe. Wenn sie nach einer Meinung fragt sollte man diese zumindest nett ausdrücken und der Person keine Verbote erteilen. Kein „Du darfst sowas nicht tragen“ sondern „Ich finde es nicht schön“.

 

Kikyou aus Inuyasha - Foto von MissNoodle

 

7. Warst du selbst schon einmal vom so genannten Bodyshaming betroffen? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen?

 

Ja, gerade erst vor ein paar Stunden wurde ich auf Facebook als fett beschimpft, als ich ein Foto von meinem Tecna Cosplay gepostet hatte. Sowas verletzt extrem, dass ist den Menschen die solche Beleidigungen aussprechen nicht bewusst. Ich gehe sehr unterschiedlich mit solchen Beschimpfungen um. Oft ignoriere ich sie einfach.. Aber oft kann ich das auch nicht. Ich werde wütend! Bloß nichts gefallen lassen! Ich antworte mit einem taffen Kommentar und diskutiere die Person so lang in Grund und Boden, bis sie sich zurückzieht oder sich entschuldigt. Leider kann ich nicht immer so taff reagieren. Ich bin ganz ehrlich: mit jedem bösen Kommentar, schrumpft mein Selbstbewusstsein etwas mehr. Ich stecke so viel Arbeit in ein aufwendiges Kostüm wie Tecna, arbeite Nächte lang durch, vergieße Schweiß und Tränen um es perfekt zu machen – und werde dann wegen ein paar Kilos zu viel beleidigt? Wie viel Arbeit dahinter steckt ist egal, weil ich keine 40cm Taille wie eine Winx-Figur habe. Das ist einfach nicht fair!

 

8. Auch wenn du keine Size Zero hast, überzeugst du trotzdem in deinen tollen Kostümen. Hast du einen Tipp für andere Cosplayer, die sich auf Grund ihres Körpers nicht an ein Kostüm ran trauen?

 

Erst mal danke für das Kompliment!
Ich kann jedem nur folgendes raten: Du liebst einen Charakter? Cosplaye ihn! Cosplaye, weil DU Spaß daran hast, weil DU dich gern wie der Charakter benimmst, weil DU das Kostüm machen und tragen willst! Cosplaye für DICH, nicht für andere. Und wenn dich(!) dennoch etwas an deinem Körper stört, gibt es so viele Möglichkeiten da etwas zu schummeln. Sei es mit Make-up, Bildbearbeitung, ein bisschen Sport, die Socken im BH oder ein Korsett – wenn es dafür sorgt, dass DU dich wohler fühlst tu es einfach!

 

Splicer aus Bioshock - Fotos von Blur of color

 

9. Denkst du das man mit Plus Size darauf achten sollte, was man für einen Charakter umsetzt? Oder bist du der Meinung, dass man das machen sollte, was einem gefällt?

 

Wie schon in der Frage vorher, bin ich der Meinung man sollte machen was einem gefällt und wie man sich wohl fühlt. Man muss aber in unserer Szene mit Kritik und Feindlichkeit rechnen – leider. Zieht man sich mit 150kg einen Bikini an und rennt damit über eine Convention, muss man sich dessen auch bewusst sein. Nicht jeder wird es schön oder ästhetisch finden, nicht jeder wird dich dafür in den Himmel loben. Wenn man schon vorab weiß, dass man mit kritischen Bemerkungen und Blicken nicht klarkommt sollte man doch eher auf ein so knappes Kostüm verzichten und lieber keine Angriffsfläche für so etwas bieten.

 

10. Gehen wir wieder zu den angenehmen Themen zurück! Was war bisher deine größte Herausforderung der du dich stellen musstest? Hast du diese Herausforderung gemeistert?

 

Die größte Herausforderung war für mich bisher Gandalf. Dort stecken viele neue Techniken drin, viele Fehlschläge und neue Versuche – eine Menge Blut, Schweiß und Tränen. Ich bin ziemlich stolz auf das Kostüm und finde, ich habe die Herausforderung gut gemeistert!

 

Gandalf aus Herr der Ringe - Foto von Blur of color

 

11. Welches Material/Stoff benutzt du am liebsten?

 

Ich benutze wahnsinnig gern rustikale Stoffe wie Fell, Leder oder Leinen. Außerdem liebe ich es mit Holz, Holz-/Pappmache und Farben zu arbeiten. Ich mag mittelalterliche, urbane und industrielle Designs sehr, da kann man viel mit solchen Materialien zaubern. Hauptsache schmuddelig, dreckig, rostig und alt!

 

12. Ist es für dich okay ein Cosplay käuflich zu erwerben? Oder gehörst du zu dem harten Kern, für den ein Cosplay selbst gemacht sein muss?

 

Für mich ist das absolut okay! Ich selbst bin nicht sonderlich gut an der Nähmaschine und habe mir schon das ein oder andere Kostüm gekauft. Es ist totaler Quatsch wenn behauptet wird, ein Cosplay ist nicht gut, wenn es gekauft ist. Man kann noch genug Mühe in andere Aspekte stecken – die Perücke, das Make-up oder das Tragen des Kostüms.

 

Splicer aus Bioshock - Fotos von Blur of color

 

13. Gibt es andere Cosplayer die dich inspirieren?

 

Besonders inspiriert hat mich in den letzten Jahren Hizsi! (https://www.facebook.com/hizsi) Seine Kostüme sind wahnsinnig detailreich und mit viel Leidenschaft gemacht. Ich hab oft den Eindruck, er kann einfach alles und er erfindet manche Techniken komplett neu! Und das Beste an ihm: Obwohl er sehr bekannt und erfolgreich ist, bleibt er total bodenständig. Ich mag ihn wirklich sehr und er spornt mich immer an, mir selbst mehr Mühe zu geben!

 

14. Welches deiner bisherigen Cosplays ist dein absolutes Lieblings-Cosplay?

Oh die Frage ist fies. Cosplays sind wie Kinder, man darf kein Lieblingskind haben! Wenn ich mich aber entscheiden müsste, wären Gandalf und Tony Stark gleichauf.

 

Joker aus Batman: Arkham Asylum - Foto von Blur of color

 

15. Und kommen wir leider zur letzten Frage: Welchen Tipps würdest du Anfängern mit auf den Weg geben?

 

Auch wenn diese Szene sehr oberflächlich ist und unfreundlich sein kann – lass dich nicht unterkriegen und probier‘ es aus! Entfalte deine Kreativität, schlüpfe in die Rolle deiner Helden und lass dir nichts vorschreiben oder verbieten! Hab Spaß und lass dir den nicht durch irgendwen verderben!

 

Tony Stark aus Iron Man - Foto von Blur of color

 

Vielen lieben Dank an Sadako für das tolle und ehrliche Interview!
Wer mehr von Sadako sehen möchte, schaut doch mal auf ihrer Seite vorbei.