Interview mit Tsuyas Cosplaywerkstatt

Geschrieben am 03.02.2017 von Nina in Cosplayer Interviews

Wo sollen wir anfangen? Tsuya ist einfach großartig und ihr Umgang mit Nadel und Faden hat uns umgehauen. Zudem ist sie wie unsere anderen Patenkinder super sympathisch. Und egal ob als Sanji, oder als edles Schneewittchen, Tsuyas Verwandlung ist perfekt. Und darum geht es ja beim Cosplay, einen Charakter überzeugend darzustellen. Wir möchten euch Tsuya vorstellen! Wie sie über Cosplay und die Patenschaft denkt, erfahrt ihr, wenn ihr weiter lest.

 

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1. Warum hast du dich für die myCostumes-Patenschaft beworben und was hast du dir von diesem Projekt erhofft?

 

Ich habe mich zuerst ohne große Hintergedanken beworben und einfach mein Glück versucht. Je näher das entscheidende Datum gerückt ist, umso fieberhafter habe ich auf die Auflösung gewartet. Zuerst konnte ich es gar nicht fassen, hab mich aber wahnsinnig darüber gefreut und dann erst richtig realisiert, was mir nun für Möglichkeiten offen stehen. Insgeheim habe ich natürlich von Anfang an gehofft, dass es klappt, da ich meine Bastelskills ausbauen wollte. Ich war immer sehr zögerlich mit dem Materialkauf, da ich einfach keine Ahnung hatte: wie, was, wann, wo???? Ich wollte diese Hemmung zu starten verlieren und einfach darauf loslegen und Sachen und Materialien ausprobieren und kennen lernen.

 

2. Was war das erste Projekt was du im Rahmen der Patenschaft angegangen bist?

 

Mein erstes Projekt war Black Lady, wo ich viele Materialien von Prym verwendet habe und auch zum ersten Mal das Wigwonder getestet habe.

 

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3. Durch die Patenschaft hattest du die Gelegenheit ein paar unserer Produkte auszutesten. Konntest du dich für ein Produkt besonders begeistern?

 

Ich weiß gar nicht ob es überhaupt möglich ist sich auf ein Produkt zu beschränken! Die Farben von Pébéo, vor allem das Goldwachs, waren meine erste große Liebe!

 

4. Welches Cosplay möchtest du im Rahmen der Patenschaft noch unbedingt angehen?

 

Ich habe noch so einiges im Kopf was ich mit den Materialien umsetzten möchte. Ganz oben auf der Liste steht noch mein Lulu Cosplay was ich letztes Jahr schon begonnen habe. Schmuck und Wig habe ich bereits fertig, jetzt fehlen nur noch Näharbeiten und das Ungetüm von „Rock“!

 

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5. In welchen Bereichen konntest du dich im Rahmen der Patenschaft weiter entwickeln?

 

Bei mir war es definitiv der Crafting Bereich. Ich habe mich davor immer gescheut und ewig herum überlegt wie es am besten funktionieren könnte, es aber nie gemacht. Das hat sich mittlerweile geändert. Ich bin zwar immer noch etwas zögerlich, aber ich nehme viel schneller Worbla und Heißluftföhn in die Hand, als früher! Als nächstes möchte ich mich noch ein bisschen mit dem Perückenstyling beschäftigen!

 

6. Sprechen wir doch mehr über Cosplay. Gibt es Aspekte auf die du während der Anfertigung eines Kostüms besonders viel wert legst?

 

Ich lege sehr viel Wert auf Detailgenauigkeit. Dabei versuche ich so nahe an der Vorlage zu bleiben wie möglich und stelle mir vor, wie man dieses Kostüm vom Papier in die reale Welt transferieren kann. Mir ist es wichtig, dass das gesamte Cosplay als Ganzes stimmig ist. In letzter Zeit versuche ich auch oft das Cosplay so gut es geht praktisch anzulegen. Ich möchte mich gut bewegen können, ich möchte es schnell an und ausziehen können (vor allem alleine, ohne Hilfe), da es einfach furchtbar anstrengend ist, wenn dem nicht so ist. Mit dem Alter kommt auch die Weisheit, wie man so schön sagt. 😉

 

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7. Was war bisher deine größte Herausforderung der du dich stellen musstest?

 

Es ist in der Tat der Rüstungsbau. Ich bin, wie man so schön sagt, ein Stoffi! Ich liebe es zu nähen und das Craften war immer ein Buch mit 7 Siegeln für mich. Trotzdem muss ich sagen, dass ich sehr stolz auf meine Rüstungsteile und Waffen bin, die ich mittlerweile geschaffen habe, auch wenn es noch nicht so viele sind. Aber ich habe fest vor noch viele mehr zu machen, damit ich mich auch in diesem Gebiet so wohl fühle, wie vor der Nähmaschine.

 

8. Cosplay setzt sich aus vielen Disziplinen zusammen. Man muss nicht nur nähen und basteln können als Cosplayer, nein! Sondern auch Perücken stylen, Make-up beherrschen und vor der Kamera posen können. Welche dieser vielen Disziplinen macht dir am meisten Spaß?

 

Ich glaube die Antwort liegt ganz klar auf der Hand. Das Nähen! Wobei ich sagen muss, dass mir das Bemalen von Waffen/Props/Rüstungsteilen in letzter Zeit auch sehr viel Spaß macht. Es ist echt beruhigend und eine tolle Abwechslung für zwischendurch.

 

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9. Wie lange sitzt du durchschnittlich an einem Kostüm?

 

Das ist sehr unterschiedlich. Früher habe ich meine Cosplays in einem durchgenäht und war relativ schnell fertig. Mehr als ein paar Tage hat es meist nicht gedauert, da ich alles in einem Schwung nähen konnte. Meine Cosplays sind aber mit der Zeit komplexer geworden und vereinen nun mehrere Disziplinen. Im Rüstungsbau bin ich noch sehr langsam und erarbeite mir sehr viel mit dem trial and error Prinzip, wodurch ich sehr viel mehr Zeit benötige. Wenn ich die Stunden aber grob überschlage würde ich sagen im Durchschnitt meist 30h. Mal mehr, mal weniger.

 

10. Gibt es einen Werkstoff denn du schon immer mal ausprobieren wolltest?

 

Ich finde Siliconmolds und Latexmasken wahnsinnig faszinierend! Aber das ist im Moment noch so weit weg, dass ich mir das in den nächsten 1-2 Jahren noch nicht vorstellen kann. Aber wer weiß was noch so kommen wird.

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11. Du bist eine gelernte Schneiderin. War das schon immer dein Traumberuf, oder hat dich Cosplay dazu bewegt, eine Schneiderlehre zu machen?

 

Der Wunsch Modedesignerin zu werden, war schon vorher da. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht was Cosplay eigentlich ist, obwohl ich bereits mit der Mangawelt vertraut war. Die Idee mit dem Cosplayen kam erst später dazu, wobei ich hier eigentlich einen sehr eigennützigen Gedanken verfolgt habe: ich wollte schlicht und ergreifend auch so coole Kleidung haben! Ich habe während meiner Schulzeit also so erst einmal etwas herumprobiert, bevor ich dann nach dem Abi zu studieren begonnen habe und dann erst richtig wusste, wie man das eigentlich richtig angeht. Was war dann auch sehr viel einfacher.

 

12. Hand aufs Herz! Hast du als gelernte Schneiderin auch Nähprojekte, die du am liebsten in die Ecke werfen würdest, weil es nicht so recht klappen will? Raffst du dich irgendwann nochmal auf und wagst dich erneut daran, oder lässt du nicht gelungene Projekte auch unter den Tisch fallen?

 

X‘‘‘‘‘D ja – natürlich kenne ich dieses Gefühl und der ragemode ist schnell mal da, wenn etwas nicht gleich klappt. Vor allem wenn man sich dann denkt „du solltest das eigentlich können, warum kannst du das nicht?“ Ich reiße mich dann aber in der Regel mit einer Miene wie 7 Tage Regenwetter zusammen und versuche es noch einmal und noch einmal – so lange bis es dann eben klappt. Ich beende in der Regel alle meine Nähprojekte und habe eigentlich noch nie ein Cosplay halb fertig liegen gelassen. Ab und an kommt es vor, dass ein Cosplay etwas länger braucht bis es fertig ist, dann liegt es aber meistens daran, dass ich keine Zeit habe es zu beenden.

 

One Piece Sanji - photo by Melenea Photography

 

13. Kommen wir zur letzten Frage. Du kommst aus dem wunderschönen Österreich. Empfindest du die Community anders, als in Österreich?

 

Die Community ist wesentlich kleiner als in Deutschland (Captain obvious! XD). Es kennen sich viele Leute untereinander und man hat die Gesichter meist schon irgendwo einmal gesehen. Dadurch sind Conventions kleiner und etwas familiärer (wobei es diese Art von Conventions auch in Deutschland gibt). Viele Cosplayer fahren nach Deutschland und haben auch dort einen Freundeskreis. Die lieben Österreicher schnorren also brav vom deutschen Kuchen mit und mischen sich unters Volk. 😉 Deswegen erkenne ich so gesehen allgemein gesprochen keinen großen Unterschied. …. oh vielleicht doch. Deutsche Freunde haben oft erwähnt, dass der Männeranteil auf österreichischen Cons höher wäre, als der in Deutschland.

 

Vielen Dank liebe Tsuya für das tolle Interview. Wenn ihr mehr von Tsuya und ihren tollen Arbeiten sehen möchtet, dann schaut unbedingt auf ihrer Seite vorbei und lasst einen Like da!