Interview mit Wonyumi

Geschrieben am 23.06.2016 von Nina in Cosplayer Interviews

Die sympathische Wonyumi ist nicht nur eine leidenschaftliche Bastlerin, sondern betreibt auch erfolgreich einen eigenen Youtube-Channel, auf dem sie ihr Wissen mit Anderen teilt. Und nachdem wir ihre wundervolle Pharah gesehen haben, wollten wir sie unbedingt mal ausquetschen, wie man als Youtuberin zum Cosplay kommt.

 

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1. Wir beginnen wieder mit der typischen Einsteigerfrage: Wie lange übst du das Hobby Cosplay schon aus und wie bist du zu Cosplay gekommen?

 

Ich habe Anfang 2014 mit meinem ersten Cosplay angefangen-Sejuani aus League of Legends, die Leipziger Buchmesse war dann meine erste Convention. Dazu bin ich über eine Freundingekommen, die das Ganze schon über 10 Jahre macht und mir immer mal wieder von den Cons erzählt hat, die sie besucht. Anfangs stand ich dem Ganzen ehrlich gesagt sehr kritisch gegenüber, obwohl mich der Grundgedanke schon gereizt hat. Zur Leipziger Buchmesse wollte sie gerne etwas aus League of Legends cosplayenund hat mich gefragt, ob das nicht etwas für mich wäre. Zum Glück habe ich mich dann angeschlossen…

 

2. Oha! Man kann also sagen, du bist noch relativ neu in der Szene! Wie hast du die Cosplay-Szene so bisher wahr genommen?

 

Die Szene selbst bisher überwiegend positiv. Gerade auf Conventions habe ich den Eindruck, dass sich jeder bewusst ist, dass hier jeder einfach nur Spaß haben möchte und entsprechend verhalten sich die Leute auch. Sogar auf Facebook & Co. finde ich, dass die Cosplayer untereinander sehr freundlich und respektvoll miteinander umgehen. Ich habe bisher vielleicht nur zwei oder drei Cosplayer getroffen, die dann doch etwas schroff waren. Richtig negative Erfahrungen habe ich dagegen nur mit Leuten gemacht, die mit der Szene selber nichts zu tun haben und einfach nur erwarten, dass ein Cosplayer ein perfektes Cosplay abzuliefern hat- aber die gehören in meinen Augen auch nicht zur Cosplay-Szene dazu.

 

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3. Du hast dich ja gleich auf den Rüstungsbau konzentriert, dabei erscheinen Rüstungen oft anspruchsvoller als das Näh-Handwerk. Wie kam es dazu, das du dich mit Heißluftpistole gleich auf dein erstes Rüstungsprojekt gestürzt hast?

 

Ehrlich gesagt hat sich mir das Nähen noch nie so richtig erschließen können, das Ganze ist und bleibt mir irgendwie ein Rätsel. Dazu kam auch noch, dass ich eine ziemliche Angst vor Nadeln hatte und ohne Nadeln wird das mit dem Nähen dann doch irgendwie schwierig… Als ich dann erfahren habe, dass es auch Materialien gibt, mit denen man Rüstungen bauen kann, hat mich dann aber auch nichts mehr halten können. Nachdem ich dann erstmal wochenlang Tutorials gewälzt habe, ging es direkt los mit Sejuani.

 

4. Hast du vor bei Rüstungen und Co. zu bleiben? Oder wirst du der Nähmaschine nochmal eine Chance geben und was Hübsches nähen?

 

Ich habe ihr letztens tatsächlich sogar eine Chance gegeben und ein Cosplay genäht! Sogar die Nadelangst hat sich dann endlich verabschiedet. Leider war ich furchtbar unzufrieden. Das lag aber noch nicht einmal an der Verarbeitung, sondern vielmehr daran, dass ich mir selber in dem Cosplay überhaupt nicht gefiel. Deswegen wird das wohl auch nie jemand zu Gesicht bekommen. Das Cosplay selber gefiel mir schon und auch die Arbeit, die ich geleistet habe, aber anscheinend brauche ich einfach eine Rüstung, um mich wohl zu fühlen. Deswegen wird das wohl auch immer mein Hauptaugenmerk bleiben.
Natürlich gibt es schon einige Charaktere, bei denen der Stoff überwiegt und die ich gerne machen würde, aber ich glaube, da brauche ich noch etwas mehr Vorbereitung und Übung für. Bis dahin tut sich meine Nähmaschine aber auch ganz gut damit, den Stoff zu nähen, den ich auch für eine Rüstung hin und wieder mal brauche.

 

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5. Auf Youtube bist du unter gleichen Namen vertreten und sprichst dort über das schöne Hobby Cosplay. Warst du vorher schon als Youtuber unterwegs, oder hat sich das durch Cosplay ergeben?

 

Ich war schon vorher auf YouTube unterwegs, aber mit dem Cosplay hat sich auch gleich der Wunsch ergeben, das Ganze auch im Videoformat festzuhalten. Früher habe ich angefangen mit Let’s Plays, aber irgendwann wollte ich einfach Videos mit „mehr Inhalt“ machen. Die Let’s Plays haben zwar viel Spaß gemacht, aber dann habe ich zum Einen ein paar unschöne Abgründe der Szene kennengelernt und zum Anderen haben Let’s Plays auch kaum bis gar keinen informativen Mehrwert für den Zuschauer. Deshalb bin ich von da aus langsam übergegangen zu Videos, in denen ich diverse kontroverse Themen diskutiert habe. Dann kamen die Videos, in denen ich meine Cosplays gezeigt habe, ich habe erste Tutorials aufgenommen und jetzt bin ich angekommen in einer bunten Mischung aus Tutorials und Diskussionen aus verschiedenen Themen, auch aus dem Cosplay-Bereich. Mittlerweile konzentriere ich mich aber aus Zeitgründen eher auf meine Livestreams auf Twitch, in denen ich dann meine Cosplays bastel und Fragen beantworte.

 

6. Du hast sicherlich auch schon gemerkt, das Cosplay ein sehr oberflächliches Hobby ist. Wie denkst du über das Thema: Cosplay ist für alle?

 

Ich glaube, die Oberflächlichkeit kommt vor allem durch das Publikum zustande, das ja meist nur das fertige Cosplay sieht und nur danach beurteilt. Ich glaube aber durchaus, dass Cosplay für alle da ist, und zwar ausnahmslos. Wer ein Cosplay tragen möchte, der soll das tun, unabhängig davon welches Cosplay das ist oder wie derjenige aussieht, der es anhat.

 

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7. Wo wir auch gerade bei Oberflächlichkeiten sind und weil es immer wieder aktuell ist, wie denkst du über Blackfacing?

 

Das Blackfacing im Bezug auf Cosplay ist ein furchtbar schwieriges Thema, was aber in meinen Augen vor allem daran liegt, dass man den Begriff „Blackfacing“ für zwei verschiedene Sachen benutzt. Das Blackfacing aus dem 19. Jahrhundert, wie es in den USA ausgeübt wurde, ist eine furchtbare Sache, weil der einzige Sinn dahinter war, sich über Menschen mit dunkler Hautfarbe auf übelste Weise lustig zu machen.
Wenn sich aber heutzutage ein Cosplayer dunkler schminkt, um einen Charakter mit dunklerer Hautfarbe darzustellen, ist das in meinen Augen kein Blackfacing, denn mir ist noch kein Cosplayer untergekommen, der dadurch irgendjemanden verspotten will. Man muss sich doch nur mal anschauen, wie das Blackfacing im 19. Jahrhundert ausgesehen hat, dann sieht man schon den Unterschied zu den Cosplayern.
Ich verstehe aber auch, dass sich manche Leute durch Cosplayer, die sich dunkler schminken, evtl. daran erinnert und somit auch angegriffen fühlen. Deswegen glaube ich, dass bei diesem Thema ein sehr großes gegenseitiges Verständnis gefragt ist. Die Leute, die sich angegriffen fühlen, sollten verstehen, dass kein Cosplayer sich dunkler schminkt, um sich über andere lustig zu machen. Genauso sollten die entsprechenden Cosplayer aber einsehen, dass sich durch ihr Make-up womöglich jemand angegriffen fühlen könnte und entsprechend vorsichtig damit umgehen.

 

8. Du hast bereits auch einen dunkelhäutigen Charakter ohne Bodypaint umgesetzt und es sah trotzdem fantastisch aus. Hast du aus Rücksicht auf das dunklere Make-up verzichtest oder gab es einen anderen Grund?

 

Vielen Dank für das Lob! Es gab dafür tatsächlich mehrere Gründe. Ich bin der Meinung, dass man sich für ein Cosplay nur dann dunkler schminken sollte, wenn man es wirklich so hinbekommt, dass es wie echt aussieht- alles andere würde zu sehr an das Erinnern, was der Begriff „Blackface“ eigentlich beschreibt, nämlich das lächerlich machen von Menschen mit dunkler Hautfarbe. Wenn die lilane Hautfarbe einer Nachtelfe mal etwas fleckig wird oder nicht ganz halten will, dann finde ich das nicht schlimm. Aber der Begriff „Blackface“ ist mit zu viel Negativem belastet, als dass man sich einen solchen Fehler dabei erlauben könnte. Ich habe schon Cosplayer gesehen, bei denen ich dachte, dass es deren echte Hautfarbe war, aber ich hätte das soe infach nicht hinbekommen. Zum Einen reichen meine Schminkkünste dafür nicht aus, zum Anderen wird mir in diesem Cosplay so unglaublich warm, dass das auch noch seinen Teil dazu beigetragen hätte.

 

9. Kommen wir zurück zu den positiven Seiten unseres Hobbys! Auf welches deiner tollen Kostüme bist du besonders stolz?

 

Ich bin erstaunlicherweise gerade mit meinem ersten Cosplay, Sejuani, besonders zufrieden. Aber auch Pharah steht ganz weit oben, weil ich an ihr sehr lange gearbeitet habe und sie auch mein größtes Projekt ist. Hin und wieder ändere ich sogar immer noch Kleinigkeiten an ihr oder füge Teile hinzu, die ihr noch fehlen, also eigentlich ist sie ein niemals endendes Projekt. Deshalb bin ich auf sie wahrscheinlich auch besonders stolz, weil ich so unglaublich viel Zeit in sie gesteckt habe.

 

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10. Was war bisher deine größte Herausforderung, der du dich bei Cosplay stellen musstest?

 

Definitiv Pharah und ihre Schulterrüstung! Davon habe ich drei oder vier Versionen gebaut und auch die aktuellste ist nicht gerade die Ideallösung. Streng genommen ist das also eine Herausforderung, die immer noch besteht und an der ich sicherlich noch lange rum werkeln werde… aber generell die Maße ihrer Rüstung und auch die Befestigung waren eine wirklich große Herausforderung, mit der ich aber auch schon ein paarmal auf die Nase gefallen bin. Deswegen bin ich auch noch dabei, hier und da ein paar Sachen zu optimieren, auch wenn ich parallel schon wieder „leichtere“ Projekte mache. Man sollte sich nur nie entmutigen lassen.

 

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11. Hast du ein Traumcosplay, welches du noch realisieren möchtest? Wenn ja, was ist dein absoluter Traum? Oder hast du ihn vielleicht schon umgesetzt?

 

Am liebsten würde ich irgendwann mal etwas richtig Großes umsetzen, so wie den Hulkbuster, der einmal auf einer Con in den USA unterwegs war, mit Stelzen und allem drum und dran. Ich liebe große Rüstungen und größer als mit Stelzen wird man wohl nicht. Bei sowas denke ich zum Beispiel an Reinhardt aus Overwatch, auch wenn das ziemlich wahnsinnig klingt. Overwatch ist generell ein Spiel, aus dem ich noch viel machen möchte, mit Pharah habe ich mir daraus eigentlich auch schon einen kleinen Traum erfüllt.
Auf meiner Wunschliste ist aber z.B. auch, so etwas wie einen Fursuit zu nähen, zum Beispiel Ori aus Ori and the blind Forest oder die Wolfsform von Link aus Twilight Princess. Natürlich auf zwei Beinen, irgendwie will man ja auch die Convention überleben… das wäre auf jeden Fall ein anspruchsvolles Nähprojekt, wenn ich von den Rüstungen dann doch mal wegkomme.

 

12. Kommen wir zur letzten Frage: Wenn man dir verdammt viel Geld zur Verfügung stellen würde, damit du ein besonders episches Cosplay umsetzen könntest, was würdest du umsetzen? Und was für Techniken und Materialien würdest du dafür verwenden?

 

Reinhardt aus Overwatch wäre da sicherlich ein guter Kandidat für, weil man bei ihm sehr viele verschiedene Spielereien einbauen kann. Aufgrund seiner Größe würde der allein schon wegen dem ganzen Material eine Menge Geld verschlingen, aber um das und auch das Gewicht ein bisschen in Grenzen zu halten, kann man da wohl gut mit Schaumstoff arbeiten. Das sind aber auch nur Überlegungen, denn da ich unglaublich gerne Conventions besuche, wäre das Problem wohl eher: Wie kriege ich dieses Monster zu einer Convention?
Ein realistischerer Kandidat wäre da wohl eher einer der beiden Fursuits, die ich schon genannt habe. Dafür würde ich mir dann erstmal das schönste Kunstfell einfliegen lassen, was man überhaupt finden kann – und davon dann auch eine ganze Menge, weil ich mich garantiert sehr, sehr oft vernähen würde.
Die entsprechenden Techniken kann ich dabei noch gar nicht genau nennen – die muss ich ja selbst erstmal lernen! Aber um es mal zusammenzufassen: Ich würde entweder Reinhardt aus Overwatch oder Ori aus Ori and the blind Forest umsetzen. Und zumindest letzteren mache ich bestimmt tatsächlich noch einmal, aber bis dahin müssen meine Nähmaschine und ich uns erstmal besser kennen lernen!

 

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