Interview mit Zwillingsnadel

Geschrieben am 13.04.2017 von Nina in Cosplayer Interviews

Die fantastische Zwillingsnadel, das is ne Nudel! Die Gute bringt uns immer zum lachen mit ihrer sympathischen und fröhlichen Art. Zwischendurch bekommen wir süße Sachen per Post und fleißig ist sie auch. Wir haben Zwillingsnadel wieder einmal mit Fragen zur Patenschaft und Cosplay gelöchert.

 

 

1. Warum hast du dich für die myCostumes-Patenschaft beworben und was hast du dir von diesem Projekt erhofft?

 

Ich bin ehrlich: Ich hab mich beworben um Murmeltierchen dazu zu drängen, sich auch zu bewerben! Das war so eine Art Deal. Ihr habt einige Sachen im Sortiment die ich immer mal versuchen wollte, das war der Anreiz.

 

2. Was war das erste Projekt was du im Rahmen der Patenschaft angegangen bist?

 

Maskeregen aus dem Cowslips Gijinkadex. Ich wurde erwählt, da hatte ich das Kostüm zur guten Hälfte fertig, mit der Patenschaft konnte ich dann noch eine Priese Extra oben drauf packen. Vorallem die Stoffmalfarben und die Kontaktlinsen, die das Cos wirklich lebendig erscheinen lassen.

 

 

3. Durch die Patenschaft hattest du die Gelegenheit ein paar unserer Produkte auszutesten. Konntest du dich für ein Produkt besonders begeistern?

 

OH JA! Goldwachs! Diese Farben sind einfach das Geilste auf Gottes grüner Erde! Ich hätte es nie gedacht, wo ich doch so ein pingeliges Ding bin wenn’s um Farben geht und ich meist mit den teuren Citadel Farben male. Aber dieses Produkt war echt der Wahnsinn. Ergiebig, hoch pigmentiert und sooo einfach in der Handhabung! Außerdem euer Kabukipinsel, mit dem jedes Bodypainting zum Kinderspiel wird!!!

 

4. Konntest du all deine Projekte im Rahmen der Patenschaft verwirklichen?

 

Es sind schlussendlich ganz andere Projekte geworden, als anfangs geplant, da die meisten Gruppen oder Partner Cosplays waren die nicht zustande kamen. Das war aber überhaupt nicht schlimm, denn die entstandenen Projekte waren echte Träume, die lange auf meiner Liste standen und deren Fertigung mir unsagbar viel Freude bereitet hat!

 

 

5. In welchen Bereichen konntest du dich im Rahmen der Patenschaft weiter entwickeln?

 

Auf jeden Fall im Perückenstylen. Mal mit einer richtigen Plastikhaar zu arbeiten, Perücken komplett zu färben und zu stylen, das waren tolle Erfahrungen. Auch im Bereich Bodypainting konnte ich vieles lernen und bin sehr viel sicherer geworden. Schattieren, Highlighten, und vor allem fixieren und anschließend wieder runter bekommen. Ja das muss man erstmal lernen.

 

6. Sprechen wir über Cosplay. Wie hast du deinen Einstieg in die Cosplay-Szene gefunden?

 

Ich war immer schon fasziniert von Kostümen und Theater. Daher haben mich Musicals immer fasziniert und so habe ich angefangen selber Kostüme zu bauen, ohne zu wissen, was Cosplay eigentlich ist. Jahre später habe ich dann von der Szene erfahren, bin auf meine erste Con 2010 im Cosplay (J-con) und habe diese unsagbar geniale Community kennen gelernt, die ich nicht mehr missen möchte.

 

 

7. Wenn du an ein neues Kostümprojekt ran gehst, wie gehst du da vor? Was ist das Erste was du machst?

 

Erstmal flashe ich mich wie blöde. Ich gucke mir Video an und schmaaachte zumeist den Charakter an und beschwafel nebenbei noch Leute beim Cosplaygrüppchen mitzumachen (muhahahhaaa!). Danach durchforste ich Internet und Stoffläden nach den perfekten Stoffen. Dann schiebe ich Sachen vor mir her, fange mit dem Schnitt an und dann geht Zicke Zacke -Cosplay fertig… so oder so ähnlich.

 

8. Du bist ja gelernte Modedesignerin. War dieser Berufswunsch schon vor deiner Laufbahn als Cosplayer präsent, oder hat dich dein Hobby Cosplay auf diesen Weg gebracht?

 

Wie gesagt war ich stets fasziniert von Kostüm an sich. Nach meinem Abi wusste ich nicht so recht welche Richtung, und so habe ich mein Glück im Modedesign versucht. Mittlerweile denke ich auch dass es gut gewählt war. Aber weiß Gott, ich hatte genug Momente in denen ich daran zweifelte. Habe dann auch akribisch meine Spezialisierung Kostüm ausgearbeitet und habe während des gesamten Studiums immer weiter auch Cosplay betrieben.

 

 

9. Was uns bei dir gleich positiv aufgefallen ist, dass du nicht nur einfach das Kostüm trägst, sondern in die Rolle des Charakters schlüpfst. Wie wichtig ist dir das Play beim cosplayen?

 

Ich würde Lügen wenn ich dem nicht mindestens 50% zusprechen würde… es ist einfach so viel cooler, wenn man auf der Con eine Antwort im Stile des Charakters geben kann. Auch wähle ich meist nur Charaktere, wenn ich weiß, ich kann sie authentisch rüber bringen. Wenn einmal jemand vor dir steht und zu dir sagt: „Das ist kein Clopin-cosplay, du BIST Clopin!!! Genau so habe ich ihn mir immer vorgestellt!“, das ist einfach das schönste Lob. Dem Charakter Leben einzuhauchen macht das Ganze so interessant.

 

10. Als Profi betrachtest Kostüme aus einem anderen Blickwinkel. Worauf legst du besonders wert? Und was macht deiner Meinung nach ein gut verarbeitetes Kostüm aus?

 

Ich mag den Kontrast von Stoffen. Grober Leinen, schwerer Bokat, fließender Microsatin. Vielleicht eine Schattierung hier (auch wenn das Original eine unifarbene Weste trägt), eine Paspel dort. Es sind die lebendigen Details. Nicht übertrieben, aber gezielt gesetzt. Wie beim Schminken, Positives hervorheben, von Negativem ablenken. Ausserdem mach ich es wenn man sich einen Ticken Etraarbeit macht. Sobald jemand was ordentlich paspelt und bestickt brennt bei mir die Sicherung durch. Solche Hingabe liebe ich.

 

 

11. Mit welchen Stoffen arbeitest du besonders gerne? Und welche findest du richtig mies zum verarbeiten?

 

Leinen ist ein soooooo dankbarer Stoff! Er lässt sich gnadenlos bemalen, färben, besticken etc. Ausserdem ist er schwer im Fall aber so schön kühl auf der Haut. Meine Mönchin ist aus Leinen, und es passt einfach sooo perfekt zu ihr.
Veloursleder kann schon manchmal ein fieses Biest sein. Vorallem wenn die letzte Microfasernadel bricht… dennoch mit der richtigen handhabung bekommt man alles gezähmt…. Ausser Lackleder… Lackleder das am Nähfußklebt… da vergeht selbst mir die Lust.

 

12. Man kann schon sagen, das du ein Allround-Talent bist. Du stylst schicke Perücken, bastelst tolle Sachen, zu anderen Personen kannst du dich auch schminken, und von deinen Näh-Skills brauchen wir gar nicht erst anfangen. Aber welche dieser Disziplinen siehst du deine Stärken? Und in welcher ist deine Schwäche?

 

Eine meiner großen Stärken ist es denke ich sind Proportionen. Sie können einem Cosplay echt die Kirsche aufsetzen. Gerade bei den Perücken versuche ich immer einen soliden Mittelweg aus Original und Realismus zu finden. Viele Charaktere sind nun mal unrealistisch, da ist der OHH und AAAAh Effekt am ende noch größer, wenn man es doch hinbekommen hat!
Zu meiner Schande muss ich gestehen: ich bin manchesmal ein lernfaules Stück. Frei nach dem Motto: never change a running System. Blöd dass mir dadurch viele Techniken immer noch wie Schwarze Magie vorkommen, denn ich köööönnte es ja auch Moosgummi bauen… Außerdem nähe ich Sachen NIE neu… wenn’s nicht klappt ist es meine eigene Schuld und ich muss damit Leben, aber neu machen?!? Ich lobe jeden, der das schafft!

 

13. Kommen wir zur letzten Frage: Hast du ein absolutes Traumkostüm, das du noch unbedingt umsetzen möchtest?

 

Ich habe mir letztes Jahr meinen Traum mit Clopin erfüllt. Jetzt ist jemand anderes dran. Ich freue mich unendlich endlich meiner Mutter ein Cosplay zu nähen, Minerva McGonnagall aus Harry Potter. Nicht nur dass der Charakter einfach liebenswert ist, es wäre einfach ein super tolles Ereignis, meine Mutter mal im Cosplay zu erleben.

 

Vielen Dank für das tolle Interview. Wenn ihr mehr von unserer pfiffigen Zwillingsnadel sehen möchtet, dann schaut unbedingt auf ihrer Seite vorbei!