Leder punzieren

Geschrieben am 18.12.2015 von Nina in Stoff und Schere Tutorials

Wer prächtige Filmkostüme oder edle Kleidungsstücke aus dem Mittelalter und Fantasy Bereich umsetzen möchte, kommt um das Material Leder kaum herum. Doch gerade bei aufwendigen Mustern, rümpfen einige Hobby-Künstler schon die Nase und wollen das Traumcosplay lieber gleich in die Ecke schieben. Doch keine Angst! In Zusammenarbeit mit der epischen Lightning Cosplay möchten wir euch zeigen, wie ihr Leder bearbeiten oder in diesem Falle punzieren könnt. Eine Punzierung ist eine Prägung in Metall oder Leder. In diesem Tutorial graviert oder prägt ihr also Muster und Motive in ein Lederstück.

 

Ihr braucht:
– Blankleder vegetabil/pflanzlich gegerbt
– Lederfarbe (Oil Dye)
– Gum Tragacanth (flüssige Gummiart)
– Antique Finish
– Kohlepapier
– Stift (schwarz)
– Geodreieck/Metalllineal
– Rohauthammer
– versch. Punziereisen
– Swivel Knife
– Schwämme
– Pinsel

 

Tipp: Fast alle Materialien die ihr für die Bearbeitung von Leder braucht, bekommt ihr bei http://ledermacher.de/

 

Bevor ihr dem Kostüm ans Leder geht, sucht ihr euch zunächst eine Referenz heraus. In diesem Falle wurde von Shaak Ti (einem Charakter aus Star Wars) die Schärpe/Gürtel umgesetzt. Hier dient als Referenz ein Bild aus dem Buch „Dressing the Galaxy“.

 

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1. Am PC wird mit Illustrator der komplette Gürtel und das Muster nachgezeichnet und ausdruckt. Die Linien sind mit Absicht in einem sehr hellen grau gehalten, damit man später beim Nachziehen der Linien sieht, was schon nachgezeichnet wurde und was nicht. Wenn ihr keinen Illustrator habt, ist das natürlich auch kein Beinbruch. Ihr könnt einfach euer Muster per Hand auf ein Blatt Papier nachzeichnen.

 
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2. Zum punzieren braucht ihr vegetabiles (pflanzlich) gegerbtes Blankleder.
Kurze Randinfo, damit ihr wisst was das genau bedeutet: Bei der vegetabilen Gerbung, werden die Häute im traditionellen Verfahren in der Grube gegerbt. Dieses Verfahren ist besonders umweltfreundlich, da keine giftigen oder/und chemischen Zusätze verwendet werden.
Leder besitzt immer zwei Seiten. Die Narbenseite und die raue Fleischseite (die untere Seite).
Blankleder ist ein pflanzlich gegerbtes, mäßig gefettetes Rindsleder. Durch die Festigkeit und Dicke sind Blankleder sehr widerstandsfähig und können geprägt werden. Blankleder gibt es ungefärbt, durchgefärbt oder mit einer leichten Pigmentschicht. Das genauer zu erklären würde an dieser Stelle zu weit führen.

 

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3. Übertragt euer Muster (in diesem Falle die Form der Schärpe) auf das Leder und schneidet es mit einem scharfen Cutter oder einer Lederschere aus.

 

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4. Es folgt nun der Trick mit dem Kohlepapier! Der Gürtel von Shaak Ti hat ein geometrisches Muster, welches sich wiederholt und wir möglichst genau auf das Leder übertragen möchten. Dazu fixiert das Lederstück auf einem Tisch (achtet darauf, das die Narbenseite oben liegt!), legt das Kohlepapier drauf und ganz oben drauf eure Vorlage. Fixiert (z.B. mit Klebeband) alles gut an einem Tisch, damit nichts verrutscht. Achtet auch darauf, das euer Muster perfekt auf dem Lederstück sitzt.

 

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5. Zieht mit einem Geodreieck und einem beliebigen Stift die Linien eures Musters nach. Durch die leicht grauen Linien auf dem Ausdruck, könnt ihr sehen, wo ihr die Linien bereits nach gezeichnet habt. Wenn ihr alle Linien nachgezogen habt, könnt ihr eure Vorlage und das Kohlepapier abziehen. Wie ihr seht, wurde durch das Kohlepapier euer Muster direkt auf das Leder übertragen.

 

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6. Bevor ihr mit dem punzieren anfangen könnt, muss das Leder erst vorbereitet werden. Feuchtet das Leder mit lauwarmen Wasser an. Das funktioniert am besten mit einem Tuch oder Schwamm. Das Leder soll gleichmäßig durch das Wasser mittelbraun gefärbt sein. Achtet darauf, dass das Leder feucht, aber nicht nass ist! Wird das Leder in einem zu feuchten Zustand geschnitten, werden die Schnittkanten wulstig.

 

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Nun müsst ihr vorsichtig sein! Fingernägel und andere harte Gegenstände hinterlassen jetzt Spuren im Leder, die nur schwer wieder zu entfernen sind. Lasst das Leder ein wenig trocknen. Ihr könnt auch das Leder mit einem Tuch etwas trocken reiben, wenn ihr ungeduldig seid.
Wenn das Leder wieder seine ursprüngliche „trockene“ Farbe angenommen hat, ist es bereit bearbeitet zu werden.

 

7. Als nächstes müsst ihr erst mit einem Swivel Knife alle Linien einschneiden. Das Swivel Knife oder auch Kurvenmesser ist das Basiswerkzeug für Punzierungen/Lederprägungen.
Das Schneiden mit dem Swivel Knife ist die erste Geduldsprobe. Jede Linie muss sauber und präzise nachgezogen werden. Hier ein kleiner Tipp: Nehmt ein Metalllineal zur Hilfe, damit jede Linie wirklich gerade wird.

 

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8. Sind alle Linien mit dem Swivel Knife nachgezogen, geht es endlich ans punzieren. Hier gilt das Gleiche, wie auch schon beim schneiden: Das Leder anfeuchten und warten bis es getrocknet ist. Die Feuchtigkeit ist notwendig zum punzieren!
Schlagt mit dem Rohhauthammer das Punziereisen an den Schnittkanten entlang in das Leder. Das Ganze braucht sehr viel Zeit, daher müsst ihr das Leder zwischendurch immer wieder anfeuchten, wenn ihr merkt, das es zu trocken wird. Passt auch hier wieder auf, das ihr das Leder nicht zu nass macht. Punziert auch nicht in einem zu feuchten Zustand, da sonst die Punzierung unsauber wird. Diese Arbeit kann sich etwas hinziehen: Ihr braucht also viel Geduld dafür. Aber es lohnt sich!

 

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9. Punziereisen gibt es mit unterschiedlichen Mustern und Motiven. Dieses Punziereisen wurde für den Hintergrund in unserem Beispiel gewählt. Ihr werdet nie ein Punziereisen finden, welches exakt der Vorlage entspricht, aber schaut einfach nach einem Punziereisen, was dem Orginal ziemlich nahe kommt.

 

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10. Auch hier gilt natürlich wieder das Gleiche. Feuchtet das Leder an, wartet bis es getrocknet ist und schlagt das Muster in den Hintergrund. Dadurch kommen die zuvor punzierten Muster gut zur Geltung! Wiederholt das so oft bis ihr euer gewünschtes Ergebnis habt. Lasst nach der Punzierarbeit das Leder an einem warmen Ort voll durchtrocknen. Das Leder sollte dabei gerade liegen, da sich durch eine vorzeitige Wölbung die mühevoll getane Punzierarbeit aufweichen kann.

 

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11. Hier seht ihr das fertige Ergebnis!

 

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12. Das Leder kann nun eingefärbt werden! Es gibt spezielle Lederfarben in vielen Nuancen zum färben der Lederstücke.
Die Farben auf unserer vorhandenen Referenz sind sehr dunkel. Lightning wollte den Gürtel von der Farbe hier etwas anpassen und hat mit helleren Tönen gearbeitet. Das ist natürlich jedem selbst überlassen. Bevor ihr euch entscheidet, welche Farbe ihr nehmen möchtet, testet sie vorher auf einem Reststück. Die Farbe muss vor Gebrauch gut geschüttelt werden. Ihr solltet bei dem Auftragen der Lederfarbe unbedingt Gummihandschuhe tragen. Lederfarbe hält auch auf der Haut sehr gut!

 

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13. Färbt große Flächen mit einem Schwamm ein, die kleinen Flächen mit einem weichen Pinsel. Tragt die Farbe dünn und in mehreren Schichten auf. Geht ruhig mehrmals mit der Farbe über die Fläche. Umso öfters ihr drüber geht, umso intensiver wird die Farbe. Ihr müsst Lederfarbe verwenden. Diese bröckelt oder blättert nicht von dem Leder ab. Acrylfarbe und ähnliches schon!
Wenn die Lederfarbe vollständig getrocknet ist, muss nun mit einer Versiegelung dafür gesorgt werden, dass die Lederfarbe auch vor Witterungseinflüssen geschützt ist. Dafür eignet sich entweder Lederwachs oder Leder-Oberflächen-Finish. Diese ist meistens auf Acrylbasis und ist in matt oder glänzend erhältlich. Das Wachs trägt man am besten mit einem Lappen auf. Das Acryllederfinish lässt sich mit den gleichen Utensilien auftragen wie die Lederfarbe.
Es ist auch empfehlenswert das gute Lederstück mit Antique Finish einzureiben. Dieses Finish in Form einer Paste eignet sich besonders gut, um die natürliche Maserung des Leder deutlicher hervorzuheben bzw. punzierte Muster besser hervor treten zu lassen. Es ist auch ideal als Zusatzfinish geeignet, um der Färbung eine weniger reine, natürlichere und kräftigere Optik zu geben. Am besten tragt ihr das Finish mit einem weichen Schwämmchen auf, um die Vertiefungen der Punzierung mit Finish zu füllen. Lasst das Finish nach dem Auftragen kurz antrocknen und poliert anschließend mit kreisenden Bewegungen nach.

 

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14. Nach der Versiegelung sollte das Werkstück sorgfältig getrocknet werden. Danach werden die Kanten des Leder versiegelt. Hier wurde Gum Tragacanth verwendet. Es ist eine natürliche, farblose flüssige Gummiart und wird benutzt um eine glatte, glänzende und widerstandsfähige Lederkante zu erzeugen.
Tragt das Gum Tragacanth mit einem Pinsel oder Schwämmchen auf die Lederkante auf. Bei der Polierung einer Blanklederkante erhaltet ihr eine glatte dunkle Lederkante. Achtet darauf, das keine Flüssigkeit auf die Lederoberfläche kommt. Reibt mit einem Polierrad, Falzbein oder Polierholz/Kantenglätter schnell und feste über die Lederkante. Wiederholt den Vorgang 1-2 Mal, bis ihr zufrieden mit der Polierung seid.

 

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Und fertig ist das gute Stück!

 

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Diese Technik ist sehr aufwendig, sieht aber am Ende richtig klasse aus! Für mehr Arbeiten mit Leder, schaut doch mal bei Papa Cosplay vorbei!
Wer jetzt Feuer und Flamme für beeindruckende Punzierungen ist, bei http://ledermacher.de/index.php könnt ihr euch eindecken!

 

Vielen Dank an unseren Superhomie Lightning. Ohne deine Hilfe und tollen Bilder hätten wir das Tutorial nicht!