Skies of Arcadia

Geschrieben am 24.07.2014 von Mari in Games

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Endlose Abenteuer in schwindelerregender Höhe, frei über den Wolken… das könnten mögliche Inspirationen für den Titel des innovativen Rollenspiels ‚Skies of Arcadia‘ (in Japan ‚Eternal Arcadia‘) gewesen sein. Im Jahr 2000 von Overworks über Sega veröffentlicht fand dieses Schmuckstück seinen Weg damals auf die Dreamcast. Es erfreute sich solcher Beliebtheit, dass zwei Jahre später, 2002, ein Re-release für die Nintendo Gamecube gemacht wurde und unter dem Titel ‚Skies of Arcadia: Legends‘ erschien. Egal ob Landratte oder alteingesessener Luftseebär, fühlt euch mit diesem Review angestachelt euch an diesem Klassiker zu versuchen oder schöne Erinnerungen noch einmal aufleben zu lassen.

 

Arcadia, eine Welt hoch über den Wolken, wo die Menschen auf schwebenden Kontinenten und Eilanden ihrem Alltag nachgehen. Zur Fortbewegung durch diese einzigartige Welt werden Luftschiffe genutzt. Und wo es Schiffsfahrt gibt, da sind Piraten nicht weit! Der junge Vyse will in die Fußstapfen seines Vaters Dyne treten und Kapitän seiner eigenen Crew werden. Zu diesem Zweck begleitet der junge Abenteuerlustige zusammen mit seiner Kindheitsfreundin Aika sein Vorbild an Bord der Albatross auf Kaperfahrten.

 

In Robin-Hood-Manier sind ihre bevorzugten Ziele die reichen Frachtschiffe des tyrannischen Valuan Empires. So ergibt sich, dass sie auch dieses Mal beim Entern eines der Gütertransporter dicke Beute machen. Der erfolgreiche Abend verspricht ohne weitere Vorfälle in eine Triumpfsfeier überzugehen, doch bei der Rückkehr in die Heimat werden die Piraten Zeuge eines Valuanischen Angriffs. Nicht auf sie wird geschossen, sondern auf ein sonderbares Flugobjekt am Himmel! Der junge Vyse will zur Hilfe eilen und hat Erfolg. Er rettet einem Mädchen in sonderbarer Kleidung, das sich später als Fina vorstellt, das Leben… doch woher kommt sie? Wieso hat das Imperium auf sie Jagd gemacht? Folgt Vyse und seinen Freunden auf diese wundersame Reise unter den sechs Monden Arcadias, tragt neben Kämpfen zu Fuß auch epische Luftseeschlachten aus und findet heraus, ob ihr das Zeug zu einem Kapitän habt!

 

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Skies of Arcadia ist den Wurzeln des Rollenspiels treu geblieben und verbindet die einzelnen Orte durch eine gewaltige Weltkarte, die ihr mittels Luftschiff bereisen könnt. Besonders beeindruckend ist dabei die dreidimensionale Fortbewegung, da ihr nicht nur die Richtung eures himmlischen Gefährts, sondern auch seine Flughöhe bestimmen könnt. So erkundet ihr neue Orte, findet ungesehene Entdeckungen und manöveriert an den Schergen des Imperiums vorbei. Euch ist aber lieber nach kämpfen? Dann fordert die kaiserliche Marine doch zu einem hitzigen Gefecht!

 

Denn auch was das Kämpfen angeht, so besticht Skies of Arcadia mit zwei dynamischen Kampfsystemen – Kämpft an Land mit euren eigenen Kräften oder navigiert ein Schlachtschiff in ein atemberaubendes Scharmützel.

 

Zunächst zu den Auseinandersetzungen an Land: Im klassischen rundenbasierenden Schlagabtausch wählt ihr Angriffe, Fähigkeiten, Magie oder Gegenstände aus, mit denen ihr euren Gegnern Parole bieten wollt. Schnell fällt euch dabei eine Leiste am oberen Bildschirmrand auf, die sich jede Runde um einen festen Wert, abhängig von dem korrespondierenden Attribut eurer Mitstreiter, erhöht. Diese Punkte (SP) werden benötigt, um Spezialangriffe oder Magie zu wirken, ihr lernt also schnell diese SP taktisch anzuwenden. „Sollte ich den Pool aufbrauchen um eine verheerende Attacke zu starten oder doch lieber Heilmagie wirken?“ Denn alle Verbündeten teilen sich diese Leiste! Hinzu kommt der Einfluss der Monde. Mittels simplem Tastendruck könnt ihr die Klinge eures Entermessers wechseln, um ihr so ein anderes elementares Attribut zuzuweisen. Das ist wichtig, da Gegner eine bestimmte Affinität aufweisen und so eure Angriffe mehr oder weniger Schaden, abhängig von der ausgewählten Klinge, anrichten.
Wie bereits erwähnt gibt es in Skies of Arcadia auch Seeschlachten. Diese verlaufen ebenfalls nach dem rundenbasierendem Prinzip und machen Gebrauch von der SP-Leiste, mit der Ausnahme, dass alle Aktionen SP-Kosten haben. Es bedarf bedachter Planung und Beobachtung des Feindes, um sich nicht auf den Grund der Vortex zu befördern.

 

Genauso wichtig wie euer taktisches Vorgehen, ist dabei auch die Bestückung eures Luftseglers. Kanonen, Panzerung und Motor wollen stets aktuell sein, um das Überleben zu sichern. Ihr seid also nicht nur angehalten eure Gruppe mit möglichst gutem Equipment auszustatten, euer Schiff bedarf gleichermaßen an Pflege.

 

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Grafisch besticht Skies of Arcadia mit einer vielfarbigen Welt. Die Charaktere besitzen allesamt einen ganz eigenen Charme, der auch gut nach außen zur Geltung kommt. Wer Shenmue gespielt hat, der kann sich auf eine ähnlich erstaunlich detaillierte Atmosphäre einstellen, die den zusätzlichen Fantasy-Touch meisterhaft aufgenommen hat. Einbußen musste die Dreamcast mit ihrer begrenzten Leistungsfähigkeit natürlich schon, weswegen manche Kanten und Texturen ein wenig grob erscheinen können, doch hier konnte die Gamecube punkten, die eine höhere Polygonzahl zuließ.

 

Skies of Arcadia ist auch ein echter Ohrenschmaus. Wer das Intro hört, bekommt sofort Lust auf eine Reise bis hinter den Horizont. Besonders im Kampf bestechen die cleveren Kompositionen Tatsuyuki Maedas (Sonic Spielereihe) mit einer überraschenden Dynamik. Die Hintergrundmusik passt sich nämlich dem Kampfgeschehen an und bekommt so eine dramatische Note, sollte es nicht so gut um die eigene Gruppe stehen, oder entwickelt sich zu einer motivierenden Fanfarenweise, sollte der Kampf fast zu eigenen Gunsten entschieden sein. Das Thema des Valuan Empires vermittelt die richtige Atmosphäre eines eisernen und gnadenlosen Regimes, ebenso wie die charakteristischen Melodien aller anderen Reiche genau das richtige Gefühl vermitteln. Wer auf den vollen musikalischen Geschmack kommen will, dem sei die Dreamcast-Fassung ans Herz gelegt. Hier hat nämlich die Gamecube einiges einbüßen müssen und besitzt eine geminderte Soundqualität.

 

Rundum ist Skies of Arcadia nur wärmsten zu empfehlen. Wer nach einem soliden und gleichzeitig ausgefallenen Rollenspiel Ausschau hält, der sollte diesem Klassiker eine Chance geben und wird schon bald feststellen, welcher Piratenschatz sich dahinter verbirgt.