Stoffe bemalen

Geschrieben am 08.04.2016 von Nina in Stoff und Schere Tutorials

Um ein Cosplay mit wunderhübschen Mustern zu zieren, muss man nicht immer nur applizieren oder sticken, damit ein Kostüm richtig wirkt. Ihr könnt auch mit Stoffmalfarbe richtig tolle und vor allem saubere Effekte erzielen! Unser entzückendes Murmeltierchen hat dazu auch wieder ein paar Tipps und Tricks am Start, die wir euch nicht vorenhalten möchten.

 

Das braucht ihr:
Zeichenmaterial
Stoffmalfarbe eures Vertrauens (wir empfehlen Pébéo)
Weiche Pinsel
Stift zum Markieren
Durchsichtige Folie
Cutter
Bügeleisen
Stoff – logisch 😉

 

Thema Stoff
Stoffmalerei ist, mit Farbe auf Stoff zu malen. Simpel.
Trotzdem muss man bei der Stoffauswahl eines beachten: Kunstfasern lassen sich mit normalen Stoffmalfarben nicht dauerhaft bemalen. Ganz ähnlich wie man bei Kunsthaarperücken mit Färbemitteln für Echthaar nicht weiterkommt, lassen sich Kunstfasern mit Stoffmalfarben nicht dauerhaft haltbar bemalen.
Das liegt daran, dass Kunstfasern geschlossene Kunststoffstränge sind, in welche die Farbe nicht eindringen, sondern sie nur umschließen kann. Und unter entsprechenden Bedingungen auch buchstäblich wieder abrutscht.

 

Naturfasern hingegen bestehen aus Zellen, die Farbe ins Innere aufnehmen und dort halten können.
Eine Stoffmalerei auf Kunstfaser ist damit nicht wasserfest. Schon bei Regen/ shooting im Wasser etc. kann es passieren, dass sie abblättert. Eine Runde in der Waschmaschine überlebt sie erst recht nicht.
Und Cosplays und Kleidung allgemein sollte wirklich waschbar sein. 😉
Bei kleineren Teilen wie Gürteln, Bänder, Wappenröcke etc., die problemlos gezielt von Hand gewaschen werden können, kann man natürlich auch zu Kunstfaser greifen. Aber man muss entsprechend vorsichtig mit den Teilen umgehen.

 

Naturfasern sind Baumwolle, Leinen, Wolle, Seide und Viskose. Letztere wird synthetisch aus Zellstoff hergestellt und wird daher von einigen Händlern irrtümlich unter Kunstfasern geführt. Nicht beirren lassen, Viskose ist dauerhaft bemal- und färbbar.
Bei Mischgeweben sollte der Naturfasernateil möglichst über 50% liegen. Außerdem gibt es Stoffe, bei denen durch die Webart die Kunstfaser vorwiegend oben liegt und die Naturfaser für ein angenehmes Hautgefühl unten. Hier bringt auch ein Anteil von 70% natürlich trotzdem nichts, denn man malt ja auf der Oberseite. Das trifft auf eine Satin-Mischgewebe zu.
Wer trotzdem einen schimmernden/ glänzenden Stoff bemalen möchte, kann zu Baumwollsatin oder Baumwoll-/Viskose-Satin greifen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob es sich um eine Natur- oder Kunstfaser handelt: Feuerzeug dranhalten. Schmilzt der Stoff zusammen, ist es Kunstfaser; verkohlt er, ist es Naturfaser.

 

Freihand-Malerei

 

1. Vorbereitung
Angefangen wird natürlich mit der Vorlage. Wenn es sich um ein etwas komplizierteres Motiv handelt, dass man nicht mal eben auf dem Stoff markieren kann, wird es auf Papier vorgezeichnet und solange korrigiert, bis ihr zufrieden seid. Wenn ihr einen hellen oder nicht absolut blickdichten Stoff bemalt, könnt ihr das Motiv anschließend kopieren, indem ihr Vorlage mit Stoff drüber an ein Fenster (bei Tageslicht) oder eine Lichtquelle klebt. Die Linien scheinen durch und ihr müsst sie nur nachziehen.
Zum Markieren eignen sich Kreidestifte gut, da man sie später wieder abbürsten kann. Bleistift geht ebenfalls, sollte aber nicht bei hellen Malereien verwendet werden, da sich das Graphit mit der Stoffmalfarbe mischen kann und alles einen Graustich bekommt.

 

Bei dunklen Stoffen gibt es Kohlepapier in verschiedenen Farben.
Dabei handelt es sich um ein einseitig beschichtetes Papier, das mit der beschichteten Seite auf den Stoff gelegt wird. Die Vorlage legt man darüber und fährt die Linien nach; durch den Druck werden die Farbpigmente vom Kohlepapier auf den Stoff übertragen.
Einfache Motive können natürlich auch direkt auf dem Stoff markiert werden.

 

Legt eine saugfähige Unterlage unter eure Stoffmalerei, aber nehmt keine Zeitung. Die Flüssigkeit in den Farben kann die Druckerschwärze anlösen und euch damit den Stoff versauen. Nicht-saugfähige Unterlagen hingegen können dafür sorgen, dass die überschüssige Flüssigkeit auf der Unterseite schmiert oder verläuft. Je nach Art des Stoffes scheint das dann später durch.

 

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2. Freihand malen
Beim Freihand malen solltet ihr immer den Unterarm und wenn möglich die Hand aufstützen, so dass ihr nur noch mit den Fingern den Pinsel bewegt. Selbst mit zittrigen Händen kann man so sehr sauber malen.
Achtet auch drauf, dass ihr einen für euch angenehmen Malwinkel einhaltet: verdreht nicht eure Hand etc. sondern wendet das Motiv. Lieber ein paar mal mehr wenden als daneben malen.

 

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Sollte doch mal etwas danebengehen kann man es mit Wasser und einem Schwämmchen oder Stück Küchenrolle wieder auswaschen, aber man muss direkt reagieren. Ansonsten bleiben Farbspuren über, die man nur schwer wieder rauskriegt.

 

Malt am besten von außen nach innen, sprich mit dem Rand anfangen. Denn wenn ihr beim weiteren Ausmalen Stück für Stück Farbe hinzufügt, wird so allenfalls die Malerei am Rand deckender. Eine Stoffmalerei mit deckendem, klaren Rand und etwas weniger deckender Mitte wirkt viel sauberer als umgekehrt.

 

Macht euch auch verschiedene Pinselformen zunutze. Borstenpinsel sind sehr gut geeignet, um saubere Kanten zu malen: flach am Rand angesetzt malt man automatisch eine gerade Kante in der Breite des Pinsels. Mit der dünnen Pinselspitze von Haarpinseln hingegen malt man eher mal versehentlich wellige Ränder.

 

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3. Plustern und fixieren
Die Setacolor Samteffekt-Farben haben normal aufgetragen und nicht weiter bearbeitet, einen deutlichen Glitzereffekt. Wenn man eine samtige Oberfläche haben möchte, muss man die Farbe zuerst plustern.

 

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Das sollte möglichst direkt, nachdem die Malerei fertig und kurz angetrocknet ist geschehen. Wartet man zu lange (mehrere Stunden), lässt sie sich unter Umständen nicht mehr gleichmäßig plustern.
Zum Plustern kann man wahlweise ein Bügeleisen oder eine Heißluftpistole auf niedriger Stufe (300°C) nehmen. Wenn ihr mit dem Bügeleisen plustert, bügelt die Stoffmalerei rückseitig ohne Druck auf einem weichen Untergrund wie einem Frottee-Handtuch, sonst drückt ihr direkt alles wieder platt.

 

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Mit der Heißluftpistole föhnt ihr einfach von oben so lange auf die Malerei, bis alles schön geplustert ist. Mit einer Heißluftpistole lässt es sich leichter plustern, weil man nicht versehentlich Stellen plattdrücken kann und direkt sieht, wenn man fertig ist.
Gebügelt werden muss die Stoffmalerei trotzdem, denn eine Heißluftpistole alleine fixiert es nicht waschmaschinenfest. Zum eigentlichen Fixieren mit leichtem Druck rückseitig mehrere Minuten alles bügeln, dann kann es bei 40°C in der Waschmaschine gewaschen werden.

 

Die Suede effect-Farben eignen sich übrigens auch hervorragend, wenn man mal wieder kein Velourslederimitat in passender Farbe gefunden hat und nur wenig Stoff braucht: Stoff gleichmäßig bemalen, plustern, fixieren, Problem gelöst.

 

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Schablonieren

 

Eine weitere Stoffmaltechnik, die sich insbesondere für wiederholende Motive sehr gut eignet, ist das Schablonieren. Aber auch reliefartige Stoffmalereien mit einem klaren, erhöhten Rand lassen sich dadurch erzielen. Wer sehr unruhige Hände hat, kommt mit der Technik sicher auch besser zurecht als mit dem Freihand-Malen.

 

1. Schablone anfertigen
Um eine Schablone anzufertigen, braucht ihr wieder ein fertiges, sauber gezeichnetes Motiv als Vorlage und Schablonenfolie.Selbstklebende „Einmal-Schablonen“ lassen sich hervorragend aus klarsichtiger Bucheinbandfolie herstellen. Sie sind schnell gemacht, lassen sich aber nur sehr selten wiederverwenden, da die Folie beim Abziehen meist verklebt oder reißt.

 

Ewig wiederverwendbare Schablonen fertigt man besser aus stabiler Folie an, das Prinzip ist das Gleiche. Lediglich das Material ein anderes. Einen richtigen Handelsnamen gibt es für die dicken Folien leider nicht: man findet sie unter Lampenschirmfolie, Crea-Pop, Bastelfolie etc. Sie muss nur durchsichtig und leicht flexibel sein. Am besten im Bastelladen eures Vertrauens nachschauen.

 

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Die Motivvorlage wird einfach mit Bleistift oder Kugelschreiber auf die Folie durchgepaust. Anschließend wird alles mit einem Cutter ausgeschnitten. Achtet hierbei auf eine scharfe Klinge, denn sonst ist die Gefahr hoch, dass ihr mit zu viel Kraft rangeht, abrutscht und die Folie durchsäbelt (oder eure Finger). Bei sehr dünnen Folien kann man das Motiv auch mit einem Lötkolben ausschmelzen, sieht aber meistens nicht so schön aus wie mit einem Cutter. Legt unbedingt ein Brettchen o.Ä. drunter, das ruhig ein paar Schnitte abkriegen kann.

 

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Falls ihr Schwierigkeiten habt, Kurven o.Ä. zu schneiden: führt die Folie unter dem Cutter durch, während ihr den Cutter selber fixiert auf einem Punkt haltet. Das ist oft einfacher, als den Cutter durch die Folie zu führen. Habt ihr doch mal versehentlich zu weit geschnitten, könnt ihr den Schnitt vorsichtig mit einem Lötkolben wieder zuschmelzen.

 

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Wenn alles fertig ausgeschnitten ist, sieht man anhand dieses Beispielmotivs, dass Schablonen eine entscheidende Schwäche haben: verschachtelte Formen. Die ganzen kleinen Teile im Inneren sind natürlich mit herausgeschnitten worden, als der äußerste Rand nachgezogen wurde.
Wenn ihr das Motiv nicht so umgestalten könnt, dass alle Kleinteile immer irgendwie über dünne Stege mit dem Rand verbunden sind, bleibt nichts anderes übrig, als alle Kleinteile aufzubewahren und jedesmal sorgfältig auf dem Stoff an die richtige Position einzeln aufzulegen.

 

Schablone auflegen

 

Bevor gemalt wird, muss die Schablone auf dem Stoff fixiert werden. „Einmal-Schablonen“ aus Bucheinbandfolie werden einfach direkt aufgeklebt. Schablonen aus dicker Folie müssen separat fixiert werden; sie einfach am Rand zu beschweren reicht nicht aus, da sonst Farbe unter die Schablone läuft.
Zum Fixieren nimmt man Schablonenhaftspray, das es in den meisten Bastelläden zu kaufen gibt. Notfalls (und wirklich nur notfalls!) tut es auch der Sprühkleber von got2be, den vor allem Perücken-Stylisten bereits kennen dürften. Er klebt nicht so gut wie richtiges Haftspray und man muss daher sehr viel vorsichtiger malen.

 

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Die Schablone wird vollständig und gleichmäßig eingesprüht, bis man im Licht einen gleichmäßigen Schimmer erkennen kann. Die eingesprühte Seite sollte nicht nass aussehen, sonst entstehen Flecken die nur schwer wieder rausgehen, da die Malerei vor dem ersten Waschen gebügelt werden muss – dadurch werden auch unliebsame Flecken fixiert.

 

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Wenn es sich wie hier um eine verschachtelte Form handelt, werden nachdem die große Schablone aufgelegt wurde anschließend alle Kleinteile einzeln aufgeklebt. Das Prinzip bleibt das Gleiche, aber nehmt am besten eine Pinzette o.Ä. zur Hilfe, um die kleinen Teile aufzukleben.

 

Motiv ausmalen

 

Wenn die Schablone sauber fixiert wurde, kann man zu Ausmalen mit einem dickeren Pinsel ganz grobmotorisch über das komplette Motiv malen. Ob Haar- oder Borstenpinsel ist dabei relativ egal.
In diesem Beispiel wurden die Setacolor Shimmer Opaque-Farben verwendet. Sie sehen am schönsten aus, wenn man sie in mehreren Schichten aufträgt, damit die Malerei ebenmäßig schimmert. Bei Effektfarben fällt ein ungleichmäßiger Auftrag direkt auf, weswegen sich Schablonieren für solche Farben am besten eignet – so kann man mehrfach komplett drüber pinseln, ohne dass die Gefahr besteht sich zu vermalen oder Stellen auszulassen.

 

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Es gibt auch Malrollen aus Schaumstoff, aber von denen rate ich ab, da der Farbverbrauch immens hoch ist. Sie saugen sich mit Farbe voll und der Großteil verbleibt leider im Inneren und landet nie auf dem Stoff. Erst beim Auswaschen der Rolle taucht die Farbe wieder auf. Pinseln geht ähnlich schnell, ist aber viel farbsparender.

 

Wenn alles fertig bemalt ist und die Farbe etwas antrocknen konnte, kann man die Schablone abziehen. Nicht zu früh abziehen, sonst verwischt die Farbe! Anschließend wird wie bei allen Stoffmalereien auch alles mit dem Bügeleisen fixiert: mehrere Minuten mit leichtem Druck drüber bügeln. Da man im Gegensatz zu den Suede-Farben nichts platt drücken kann, kann man auch vorderseitig drüber bügeln.

 

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Fertig!
Jetzt kann alles bei 40°C in der Waschmaschine gewaschen werden.
Selbstverständlich kann man, ob Freihand oder mit Schablone auch schattieren, Effektfarben kombinieren etc., ganz nach Geschmack und Vorlage.

 

Hier noch ein paar Beispiele, was man alles mit Stoffmalfarben machen kann.
Viel Spaß beim Malen!